Drei Fragen an...Michael „Soulpatrol“ Rütten

 

Du bist 37 Jahre alt und nicht nur als DJ, sondern auch als Produzent, Radiomoderator und Musikjournalist tätig. In welchem dieser Bereiche siehst Du Dich in zehn Jahren noch aktiv?

Auf jeden Fall im Radio. Das ist ein Traum von mir seit mittlerweile 31 Jahren – ich saß damals vor dem Radio und nahm Hitparaden auf. Dieses Medium hat mich schon immer fasziniert, denn du kannst damit so viele Menschen erreichen. Meine wöchentliche Radioshow ist mir demnach auch sehr wichtig, da ich eine Menge Leute kenne, die sich Mixtapes von den Sendungen ziehen und die komplette Sammlung der vier Jahre besitzen. Einer meiner Vorbilder ist der Londoner DJ Gilles Peterson, der auch schon dieses Radio-Ding gemacht hat. Davon abgesehen setze ich mir kein Limit beim DJing, und auch als Produzent geht es jetzt erst richtig los.

In welchem musikalischen Umfeld hast Du angefangen, Platten aufzulegen, und wie bist Du letztendlich beim NuJazz gelandet?

Begonnen hat es mit normaler Popmusik, aber auch Elvis und Otis Redding habe ich gerne gehört. Über die Bands aus dem Soul Music-Bereich, die sich in die 80er retten konnten (S.O.S. Band, Luther Vandross), wurde ich vom AcidJazz-Virus erfasst. Dadurch fing ich an, nach alten Jazzplatten zu stöbern, und das ist bis heute – neben aktuellen NuJazz-Veröffentlichungen – auch so geblieben. Mit 12 legte ich zum ersten Mal bei Partys meiner Eltern auf. Später war es für mich immer unbefriedigend, auf Partys zu sein, bei denen keine gute Musik lief, also habe ich mich selbst darum gekümmert.

Welchen Einstieg würdest Du jungen Jazzinteressierten heutzutage empfehlen? Sollten sie direkt mit den Klassikern (Miles Davis, John Coltrane) einsteigen oder über NuJazz den Weg zu den Originalen finden?

Bei mir persönlich war es im nachhinein vielleicht zu früh, mit 14 bereits Jazzrock und Frank Zappa zu hören, weil ich es damals noch gar nicht verstehen konnte. Aber sowohl „Kind Of Blue“ von Miles Davis als auch „My Favorite Things“ von John Coltrane sind leichte Standardwerke, die nicht sofort abschreckend wirken. Eine gute Methode ist es auch, beim HipHop und auch im NuJazz den unzähligen Zitaten nachzugehen, indem man sich fragt: Wo kommt diese Musik eigentlich her?

Interview: Henrik Drüner