Mike Krüger in der Halle400

Zehren von Zotigem und Gassenhauern

 

Kiel – Das berühmte Churchill-Zitat „Das erste, was man bei einer Diät verliert, ist die gute Laune“ hat sich Mike Krüger gleich mit einverleibt. Passte wohl zu gut ins Programm, Abschnitt „Vegetarier-Ernährung-Trennkost“. In der bestuhlten Halle400 kalauert sich der Schauspieler, Sänger und Comedian mit dem markanten Körpermerkmal quer durch alle Stile und Themen.

Man kann ihn durchaus in sein Herz geschlossen haben. Für Filme wie „Die Supernasen“, „Zwei Nasen tanken Super“ oder „Piratensender Powerplay“, selbst für Liedgut der Marke „Mein Gott, Walther“, „Bodo mit dem Bagger“ oder „Der Nippel“. Durchschnittlich 30 Jahre ist das mittlerweile her. Den Nippel lässt Krüger auch gleich zu Beginn von den willfährigen Anhängern durch die Lasche ziehen und startet in seine aktuelle „Zweiohrnase“-Live-CD, die er an diesem Abend größtenteils mit exaktem Wortlaut wiedergibt.

Das Problem: Als erfahrener Meister der gepflegten Pointen macht es sich Krüger zu einfach mit so einer Retorten-Show. Für den horrenden Preis von 35 Euro an der Abendkasse kann der Zuschauer mehr erwarten als ein abgespultes, vor allem bei politischen und sportlichen Themen bereits mehrfach durchgekautes Programm. Wer lacht 2009 noch über Gammelfleisch, über Schröder und Angie-Bashing? Das Verblüffende: Dennoch haben sich knapp 300 Zuschauer janz köstlich amüsiert.

In der ersten Hälfte konzentriert sich der 57-jährige Quickborner auf seinen Comedy-Part, dank „7 Tage – 7 Köpfe“ auf den schnellen Knalleffekt geschult. Geboren als Michael Friedrich Wilhelm Krüger, habe Krüger als jüngstes von fünf Geschwistern eine fürchterliche Kindheit durchlitten („Mutter zu Vater: Ich glaub, wir sollten aufhören – sie gelingen nicht mehr!“) und beim Reise-nach-Jerusalem-Spiel erst spät die Rückfahrkarte aus dem Kibbuz bekommen. Doch die Supernase wolle nicht deprimieren – es solle schließlich ein lustiger Abend werden.

Also widmet sich Krüger der Kunst des meist zotigen Monologs. Kostprobe: „Ich gebe mir echt Mühe. Vor einem halben Jahr habe ich mir ein Wasserbett gekauft. Meine Frau nennt es das Tote Meer...“. Über Ärzte, Bundeswehr, Alkohol, Schäfer Heinrich und Michael Hirte wurschtelt er sich durch sämtliche gesellschaftlich (ir-)relevanten Sujets, kratzt sie meist nur oberflächlich an, bis das nächste Lied alles im Wechselreim auf den Punkt bringt. Am liebsten dichtet er Fremdmaterial um, ganz im Stile von Guildo Horn.

Unterlegt von drei Akkorden auf seinen drei verschiedenen Gitarren oder Skihütten-Rummtata vom Band, unterzieht er James Blunts „Beautiful“ mit „Blut im Stuhl“ einer medizinischen Neuinterpretation, „Living Next Door to Alice“ wird bei ihm zu „Tür an Tür mit Schröder“, „Ein Stern“ zu „Ein Korn, der deinen Namen trägt“. Und er beweist Mut, denn sein Gesang ist bemüht, aber meist knapp daneben.

Ein Höhepunkt dagegen das Xavier-Naidoo-Medley („Dieses Steak müsste weicher sein, dieses Steak ist sehnig und schwer“) mitsamt der theatralischen Gestik. Auch „Immer wieder Sonntags”, der Kieler Band Büro am Strand entlehnt, punktet durch den launigen Text. Aber warum keine Erwähnung? Lag es daran, dass Mike Krüger für einen Moment vergessen hatte, wo er auf der Bühne steht? Seine Pointen sind mal überraschend witzig, mal gähnend vorhersehbar. So zehrt er von seiner kumpelhaften Publikumsnähe und den alten Gassenhauern „Mein Gott, Walther“ und „Bodo mit dem Bagger“, die schließlich als Zugaben kommen. Vielleicht reicht das nicht mehr.