Wenn der Luna Club zweimal einlädt
Brazilectro und ScienceFictionJazzNacht mit Minus 8


Vorab zur besseren Verständigung: Der Luna Club ist das ehemalige Sixpack. Auch wenn sich manch einer mit dem Neueintrag im mentalen Lexikon schwertut (wer kauft sich schon Werther´s Original?), so soll der Name nicht mehr den rauhen Charme der Bergstraße, sondern den eines weltgewandten Clubs repräsentieren, der im beschaulichen Kiel Maßstäbe setzen möchte. Der Start war äußerst vielversprechend und die Warteschlangen an den vergangenen Wochenenden signalisieren deutlich die Annahme des Konzepts.

Am 27.10. hatte GrooveComplex den DJ "Der Kraft" (Marschmellows, Infracom) für den Brazilectro-Abend gewinnen können, der in unnachahmlicher Weise über sein gesamtes DJ-Set einen großen, sehr feinfühligen Bogen spannte. Die Grundlage des Programms legte die Doppel-CD "Brazilectro" (2000, SPV, Kaufempfehlung), auf der ein buntes Treiben südamerikanisch angehauchter Clubmusik vertreten ist, von Nicola Contes "Bossa Per Due" bis zu Smith & Mighty, Thievery Corporation, Jazzanova (s. CD-Tipp) und Mo´Horizons. Ähnlich abwechslungsreich war demnach auch das Spektrum von "Der Kraft", der geschmeidig von rhythmisch geprägten Percussionklängen bis zum Deep House das Vinyl wechselte, ohne daß ein Abbruch beim tanzenden Volk zu verspüren war. Überhaupt angenehm bei den Luna-Abenden ist die kurze Akklimatisierungsphase, so daß bis zum ersten Gang auf die Tanzfläche nicht lange gefackelt wird. Später entwickelt sich der gesamte downstairs-Bereich sowieso zu einer einzigen gut gelaunten Bewegungszone. Im Erdgeschoß legte das StarBeatSoundsystem (Meister Pez, Bright & Djane p’toile) ebenfalls vorzügliche Bossa/Brazil-Ware auf, während sich in den Sofas die Party-Crowd zum Chillen lümmelte.

Am 11.11. dann die ScienceFictionJazzNacht. Gleicher Ort, gleiche Organisatoren, volles Haus, tolle Stimmung. Als local support animierte Meister Pez die Schar, was aber im Grunde gar nicht nötig war, da auch zu seinen Platten schon gut abgetanzt wurde. Der "Topact" des Abends kam aus Zürich, heißt im bürgerlichen Leben Robert Jan Meyer und läßt aka Minus 8 (Compost) die Clubs brodeln. Sein Künstlernamen bezieht sich auf das Pitching bei DJ-Turntables, das von +8 bis -8 reicht. Da er sich als Vertreter des Downbeats sieht, wählte er die untere Extrem. Ganz einfach. Sehr unauffällig und zurückhaltend in Gestik und Mimik, ließ Meyer stattdessen seine Platten sprechen, und die hatten einiges zu erzählen von der Welt. So blieben die Anwesenden denn auch lange, um den faszinierenden Klängen der Geschichten zu lauschen. Der Luna Club ist jetzt schon eine absolute Bereicherung für das Kieler Nachtleben, besonders in Kooperation mit dem GrooveComplex. Henrik Drüner