Lieder zum Stampfen und Faustrecken: Mischief Brew im Gaardener Subrosa

Raue Schale, weicher Kern

Kiel - Spätestens in der Zugabe, an deren Ende er bühnengerecht auf die Knie sinkt, wird klar, dass Erik Petersen mit dem introvertierten Typ Musiker, der für gewöhnlich eine Acoustic-Show beschallt, herzlich wenig gemein hat. Der Sänger und Gitarrist aus Philadelphia macht im Subrosa vielmehr deutlich, was alles in seinem erstaunlich homogenen Mix aus traditionellen Stilen und aufrechten Punk-Idealen steckt.

Erik Petersen ist Mischief Brew, Mischief Brew ist Erik Petersens Band. Seit 1996 bastelt er an Songs in bester Anarchopunk-Tradition, die Swing, Trinkliedern Marke Pogues, Klezmer oder Ska die Tür offen halten. Statt Akustikklampfe kracht die tief gehängte E-Gitarre durchs Subrosa, statt feinsinnigem Gesang lässt es Petersen aus voller Kehle rumoren.

Mit seinem Trilby-Hut, den auch Kollegen wie Pete Doherty oder Justin Timberlake tragen, geht es an unverblümte Gypsy-Melodien der Alben "Smash The Windows" und "Photographs From The Shoebox", letzteres mit Joe Jack Talcum, Sänger von The Dead Milkmen, eingespielt. In den ersten Songs werden die Melodien übertönt von der versierten, aber lärmenden Akkordflut, von Rückkopplungen und anderen technischen Hindernissen. Ab dem vierten Song droht es sogar noch schlimmer zu kommen, als Petersen den Mikroständer verlässt und unverstärkt "Thanks, Bastards!" zum Besten gibt. Mitnichten: Von nun an laden die Lieder umso beseelter zum Stampfen oder nur zum Trinken und Mitgrölen und Faust-Recken ein.

Vielleicht ist es gerade die raue, kräftige und einnehmende Stimme - auf Lokalebene am ehesten mit Ford-Broncos-Sänger Polo zu vergleichen -, die den Songtexten die passende Attitüde mit auf den Weg gibt: „I am a leader but you will not follow me / I ain't no preacher for I'm full of blasphemy / See you in hell boys“, poltert Petersen in
Roll Me Through The Gates Of Hell, bei den Zeilen des Dead-Milkmen-Covers von "Watchin' Scotty Die" müssen selbst hartgesottene Seebären schlucken, auch bei "Bury Me In Analog" lohnt genaues Zuhören.

Während "The Midnight Special 2002" Gefängnisse in seinem US-Bundesstaat Pennsylvania und die dortige Todesstrafe thematisiert, untermauert Petersen an anderer Stelle, dass nicht alles in seiner Heimat zu verurteilen sei: „Da, wo wir herkommen, feiert man seinen Geburtstag eine Woche lang. Mit Bootsausflügen und all dem Zeug.“ Eine Art schnelle Polka folgt, beinahe so, als schrieben They Might Be Giants den Soundtrack zu einem Kusturica-Film. Ein Wiedersehen mit Mischief Brew ist durchaus erwünscht.

KN-Online