Missouri in der Hansastraße 48

 

Am Ende lief auf der Leinwand im Bühnenhintergrund der Abspann ab, mit Songliste, Interpreten und Danksagungen. Abspann des Abends, oder gar des Lebens? Zumindest ein Konzert wie ein Film, die Band wie der dazugehörige Soundtrack: Bei Missouri in der Hansastraße 48 verschwammen die Relationen zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit, fand Vergänglichkeit eine neue Ausdrucksform.

Nils Koppruch markierte in diesem faszinierenden Streifen den Vorspann. Mit Gitarre, Mundharmonika und seiner Stimme spielte sich der Fink-Sänger durch spärlich arrangierte Singer/Songwriter-Kurzgeschichten, angenehm unprätentiös und unaufgeregt vorgetragen. Klaren Worte beschrieben einfache Alltagsbeobachtungen, Naturphänomene und harte Zeiten mit Gegenwind von allen Seiten. Die nicht zahlreichen, aber allesamt wohlwollenden Zuhörer dankten es von Herzen. Die Verbindung und Überleitung zum Hauptteil war hergestellt, auch inhaltlich gesehen, zumal ein Teil der Band aus Nürnberg und Hamburg auch bei Fink aktiv sind.

Missouri gaben sich anschließend dem gepflegten Schwermut hin. Ein sphärisches Intro ließ Regen und gemächliches Schlagwerk aus dem Apfel-Rechner rieseln, der während des gesamten Konzerts die Beats ausspucken sollte. Kein lärmendes Schlagzeug, sondern stoische und leicht swingende Rhythmen von der Festplatte, die den Pop-Anteil nährten, ohne Pop zu sein. Sänger Red - wie ein junger Mickey Rourke cool für zwei - gab den elegischen Klangflächen mit laszivem Gesang eine ganz eigene Note, irgendwo zwischen laut geflüstert und leise gesprochen. Textzeilen wie „Someday even I will stop breathing“ vom aktuellen Album „In VoodooRama“ brachten wiederholt die Vergänglichkeit hervor: Leben, Warten, Sterben.

Und doch kam nie ein Gefühl von Unbehagen oder angespannter Ruhe auf, sondern gegenteilig eine intime Atmosphäre mit herrlich langsamen und hingetropften Rhodes-Tönen (Christian „Wuschi“ Ebert), wunderschön tremolierenden Gitarren (Frank Mollena) oder die Pedal Steel-Gitarre von Carter Cain. Americana, Blues, Soul und Elektronik gaben sich einträchtig die Hand. Auf der Bühne saßen alle Akteure, ebenso vor ihr, obwohl es durchaus tanzbar gewesen wäre – aber im Kino steht ja auch niemand. Die Leinwand demonstrierte Zeichen der Zeit, mal als Lupe, mal als Raffer. Klicka-klacka machte dazu der Beat, wie eine Eieruhr. Doch dann kam der Moment, an dem das Tick-Tack des Lebens aufhörte. Was bleibt? Abspann und Danksagung an Missouri.