Gelungen ohne Zuspruch: "N-Joy The Campus" in der Mensa II

Joy on the campus? Es sah alles nach einem Fiasko aus. Im weiten Rund der Mensa II herrschte gähnende Leere und allgemeines Entsetzen, während die Zahl der bulligen Security-Guards und N-Joy-Mitarbeiter der des zahlenden Publikums beinahe ebenbürtig schien. Dass es am Ende der Veranstaltung wohl nur ein finanzielles und kein musikalisches Fiasko gab, dafür sorgten die drei Bands des Abends. Den Anfang machte das "enfant terrible", Joachim Deutschland.

Selbstbewusst versprühte er ein wenig Anarchie und rockte mit passablem Gitarrenspiel durch sein Programm. Dank des Rasta-Bassisten und Iro-Schlagzeuger machte das Trio äußerlich einiges her, wirkte jedoch trotz Songs wie Ich tu was ich will oder Luder mit teilweise grenzwertigen Textpassagen nicht sonderlich Aufsehen erregend.
Paula machten anschließend deutlich, dass Electropop in der Live-Umsetzung durchaus abgehen kann. Das Quartett um Sängerin und Blickfang Elke Brauweiler agierte wesentlich druckvoller als noch vor drei Jahren in der Tanzdiele, woran die Berlinerin positive Erinnerungen knüpfte. Geblieben ist ihr der einnehmende Charme, noch unterstützt von französisch gesungenen Zeilen. Die tanzenden Zuhörer vor der Bühne nahm die Band im Handumdrehen und überzeugte vor allem mit den älteren Hits Von guten Eltern, Als es passierte oder Jimmy. Mit einer krachenden Version von Ca plane pour moi als Zugabe kam das erhofft spektakuläre Finish.

Ebenfalls auf höchstem Niveau feierte das Frank Popp Ensemble. Der Namensgeber selbst hielt sich mit DJaying und Sampling im Hintergrund und überließ stattdessen der achtköpfigen Gruppe das Feld. Besonders Sängerin Sam Leigh-Brown (im Austin Powers-Look) und Trompeter Chevy Bo Hadley trotzten der Zuschauerzahl mit einer absolut professionell aufgezogenen Konzertparty und Entertainment pur! Nicht nur Hip Teens, sondern auch die anderen Groovemonster vom aktuellen Album überzeugten restlos. Soulpower, Orgelsoli, freche Bläsereinsätze und ausgelassene Spielfreude versöhnten das Publikum nach dem verkorksten Start. Das Unverständnis über die mangelnde Resonanz jedoch bleibt. Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 30.10.2003