Nazareth: Modern und doch der Tradition verpflichtet

Kiel – Auch Pete Agnew muss die Zahl eine Weile im Raum stehen lassen. „40 Jahre… das ist wirklich eine lange Zeit, wenn man immer in der gleichen Band spielt.“ Der Bassist von Nazareth gehörte 1968 neben Dan McCafferty (Gesang), Manny Charlton (Gitarre) und Darrell Sweet (Schlagzeug) zu den Gründungsmitgliedern der schottischen Rockband. Weltruhm erlangten Nazareth durch Alben wie "Razamanaz", "Loud'n'proud" (beide 1973) und "Hair Of The Dog" (1975) und dank Hits wie "Dream On", "This Flight Tonight" und "Love Hurts". Nach dem Motto „The show must go on“ kommen Nazareth morgen in die Kieler Traum GmbH, im Gepäck ihr aktuelles Album "The Newz".

Am Abend des Interviews startet die Deutschland-Tour in Essen, nachdem Nazareth zwei Wochen lang durch Großbritannien reisten. Und die gereiften Herren scheinen nichts verlernt zu haben: „Ein Freund von mir, der das Konzert in Glasgow gesehen hatte und mich anschließend in einem Pub ansprach, meinte: Ihr habt vielleicht nicht 40 Jahre gebraucht, um zusammen zu finden, aber ihr habt gelernt, richtig gut zu spielen!“

In der aktuellen Besetzung übernimmt Jimmy Murrison den Posten des Gitarristen, Agnews Sohn Lee sitzt mittlerweile am Schlagzeug. Aus traurigem Anlass: Am 30. April 1999 starb sein Vorgänger Darrell Sweet vor einem Konzert an einem Herzanfall. Doch die Vater-Sohn-Konstellation funktioniert: „Er ist ein sehr guter Drummer. Ich höre ihn gerade nebenan, weil er so starken Husten hat. Er sollte mit dem Rauchen aufhören!“ Agnew lacht.

Seit den 70ern pflegen Nazareth ihre Freundschaft zu Deep Purple und Uriah Heep – mit den entsprechenden Begleiterscheinungen. Angesprochen auf das aktuelle Interview mit Keith Richards, in dem der Stones-Gitarrist junge Leute eindringlich vor Drogen warnt, entgegnet Agnew: „Wenn einer auf diesem Planeten weiß, wovon er diesbezüglich spricht, dann Keith. In den 70ern wurde viel Hasch geraucht. Wir waren nie eine 'druggy' Band, abgesehen von Alkohol.“ Bier ist nicht von ungefähr das Lieblingsgetränk des 61-Jährigen. „In Deutschland habt ihr das beste Zeug auf der ganzen Welt! Bei Kiel muss ich an das Konzert in der Pumpe denken – und an den Irish Pub.“

"The Newz" ist Nazareths erstes neues Studioalbum seit zehn Jahren. Es klingt modern und gleichzeitig traditionell. „Wir arbeiteten ohne Pro Tools und diese ganzen Studio-Programme. Umso mehr wollten wir das Rohe und Natürliche der Aufnahmen bewahren.“ Aus 30 Songs wurde ausgewählt, da sich alle vier Mitglieder mit jedem Vorschlag identifizieren sollten. Der knackig-kurze Titel steht für den Stil einer Tageszeitung. Die Schreibweise mit dem abschließenden „z“ sei jedoch keine Referenz an die Hip-Hop-Szene, sondern schlicht und ergreifend das „Nazareth-Z“.

--------------------------------------------------------------------------------
Im Internet finden Sie diese Meldung unter der URL:
http://www.kn-online.de/artikel/2316934