Nikk Sucid: Zurück zu den Wurzeln

Kiel – „Stilistisch bin ich wieder an dem Punkt, von dem ich kam: Popmusik.“ Nikk Sucid, Sänger der gleichnamigen Band und wandelndes Rock'n'Roll-Markenzeichen, hat in den vergangenen 20 Jahren verschiedenste Stadien des Musikschaffens durchlebt. Kultfigur, Bühnenexzentriker und sensible Persönlichkeit – Sucid verkörpert diese Charakteristiken wie kaum ein anderer in der Kieler Musikszene. Morgen spielt er mit seiner Band in der Schaubude.

Die Motivation für diesen Neuanfang weist Parallelen zum Sujet des Blues-Brothers-Films auf: „Wir müssen wieder eine auftrittsfähige Band zusammenbringen. Ich möchte wieder auf die Bühne.“ Mit Frank Peter (Gitarre), Benno Peters (Bass) und Christian Dröse (Drums) konnte er drei erfahrene Musiker für sich gewinnen, mit denen der auserkorene Sound umgesetzt werden kann. Popmusik eben. Das sei zwar so ein Gummibegriff, „aber es ist einfach die Musik, die ich machen möchte, und die sich von einer tanzbaren Beliebigkeit des heutigen Punk-Mainstream abgrenzt. Es entspricht auch nicht dem Zeitgeist und bleibt ohne große Weiterentwicklung, aber das ist okay.“

Angefangen hatte Nikk Sucid 1989 mit der Punkband The Wrongs. Zwei, drei Jahre hielt sich die Formation – mit einer einmaligen Reunion 2003 – bis sich die Wege trennten. Die weiteren Stationen hießen The Big Revenge (1991 bis 1995), Buddy Love (1999 bis 2001) und Nikk Sucid & His Love, ein Akustikprojekt mit Butch Quattro und Frank Peter. Sucid: „Alles Bands, die es immer mal wieder gab und mal wieder nicht – das lag immer an der Laune der Beteiligten.“ Fehlende Kontinuität und Impulse führten dazu, dass er schließlich in die Heimat zurückkehrte. Doch die Erwartungen an das, was ihn in Hamburg auch musikalisch erwarten würde, erfüllten sich nicht.

„Eigentlich wollte ich meinen Stil ändern, irgendwie elektronischer. Ich habe auch viele Leute kennen gelernt, mit denen ich gerne Musik gemacht hätte. Aber es blieb meist beim Ausprobieren.“ Persönliche Probleme kamen hinzu, die eine zweijährige, kreative Pause unausweichlich machten. In dieser Zeit traf er sich nur unregelmäßig mit Frank Peter, um alte Ideen am Leben zu erhalten. Seit dem vergangenen Jahr gibt es nun wieder kontinuierliche Probenarbeit; mit vier Typen, die sich mit den neuen Stücken auseinander setzen, Reibung erzeugen und so eine veritable Band bilden.

Gemeinsam mit Peter schrieb er die Songs, integrierte bewusste Brüche und verstörende Parts. „Unsere Überlegung war: Kann man das machen, ohne dass sich die Zuschauer gegenseitig angucken und zum Rauchen rausgehen? Aber es fühlt sich für uns gut an, auch weil wir etwas Besonderes machen.“ Keine verzerrten Gitarren, kein Geschrei, kein Auf-die-Nüsse. Nikk Sucid ist inzwischen zu einem Künstler herangereift, der alles auf einen Punkt zusammenführt: den Song.

Die Exzentrik versprüht ohnehin Nikk in Form von Make-up, gewagtem Outfit und theatralischen Posen am Mikroständer. „Als Bühnenfigur liegt mir das. Es geht um Show, um eine Darstellung auf der Bühne.“ Seine Texte, die früher wesentlich oberflächlichere Themen behandelten („schnelle Autos und Geruch von Benzin“), wandelten sich zu beinahe intimen Geständnissen mit hohem autobiographischem Anteil. „Sie drehen sich um meine Psyche und Sexualität, generell um Sachen, über die ich sonst nie gesungen habe.“ Ein Album ist geplant, aber auch der Sänger weiß: „Es ist schwer, dafür eine Käuferschaft zu finden.“

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