Nils Gessinger & Band hatten im KulturForum auch ein paar Live-Premieren im Programm

Sitztanz an den Tasten


Kiel - Nils Gessinger kann einfach nicht anders. Zu den Latin-Rhythmen des fiebrigen Songs „Pem Pem“, den er seiner kleinen Schwester gewidmet hat, muss er seine beinahe kindliche Begeisterung über (die eigene) Musik ausleben. Tanzt sitzend auf dem Klavierhocker, rudert mit den Armen und kann es kaum abwarten, das Hauptthema in die Tasten zu drücken. Im KulturForum demonstriert Gessinger sein ansteckend körperbetontes Spiel im weiten Feld des Funkjazz.

Weil man das hervorstechende Charakteristikum seiner Konzerte kennt, ist der 45-Jährige jedes Jahr ein hochwillkommener Gast in Kiel. Mit seiner neunköpfigen Formation hat Gessinger diesmal viele selten gespielte Stücke und sogar Live-Premieren im Programm. "Jam It Up" dient als unernster, gleichwohl druckvoller Start ins Set. Gessinger lässt die Linke am Fender Rhodes E-Piano tieftönen, während der Bläsersatz die harmonischen Anflüge von Gitarre (Mirko Michalzik) und Klavier mit scharfen Salven kommentiert. Ein Leichtes, diese spielerische Freiheit auszunutzen, wenn man solche Hochkaräter wie Heinz Lichius (Drums) und Arnd Geise (Bass) um sich weiß.

Fast 15 Jahre alt ist "Night Talk" vom Album "Ducks N' Cookies". Nächtliche Großstadt-Impressionen, immer cool, aber nie kühl, werden hier besonders im Solo von Tenorsaxofonist Ralph Reichert umgesetzt. Ohnehin ist Gessinger ein Freund nahe liegender Betitelungen, nimmt kurzerhand den Aufenthaltsort beim Komponieren - und sei es das China-Restaurant „Mr. Wong“ in der Hamburger Martinistraße. Auch der Song "Euseigne" im Schweizer Wallis, bekannt durch die Erdpyramiden, die laut Gessinger wie von Außerirdischen geschaffen wirken, kam so zu seinem Namen.

Doch entscheidend ist aufm Platz, sprich: die Musik auf der Bühne. Beim rasanten Funk "Slam" von der aktuellen CD
"Burning" entwickelt die Band enormen Schalldruck, allen voran die pulsierende Rhythmusgruppe in den passgenauen Tutti-Passagen. Posaunist Christophe Schweizer wirft seine Synkopen genüsslich in den Gesamtsound, angetrieben von der feist groovenden Hammond XB-2, die Gessinger mit seinen Händen bearbeitet wie eine Conga. Und bei
"Honking Taschi" - eine Abwandlung des Originals "Honking Eddie" - stellt Natascha Protze (Baritonsaxofon) ihre Spezialität vor: tiefe Honks, also Bottom Notes, mit maximaler Lautstärke angeblasen, ohne den Ton übermäßig zu kontrollieren.

Getoppt wird diese Instrumentalmacht nur noch durch Gastsängerin Nathalie Dorra, die ihre kraftvolle Soul-Stimme bereits bei Mousse T. oder Udo Lindenberg hören ließ. Sie feuert "Holiday Me" mit Stimmwucht und Verve an, verleiht der Live-Premiere von "Casacajun Man" den würdigen Rahmen. Verständlich, dass man Nils Gessinger & Band nicht unter zwei Zugaben von der Bühne lässt.

KN-Online