"Christmas With My Friends II"

Nils Landgren feiert morgen in Kiel


Kiel - "Es hat lange gedauert, bis ich mich getraut habe, eine Weihnachtsplatte zu machen". Nils Landgren, Posaunist und Sänger und einer der erfolgreichsten europäischen Jazzmusiker, sitzt im Tour-Bus und rechnet zurück. Er ist auf dem Weg ins schwedische Vara ("in der Mitte von nirgendwo"), um dort gemeinsam mit der populären Bohuslän Big Band und Sängerin Rigmor Gustafsson ein Konzert zu geben. Am morgigen Freitag kommt er mit Freunden in die Petrus-Kirche nach Kiel, um musikalische Weihnacht zu feiern.

Letzten Endes mussten 30 Jahre ins Land ziehen, bis sich Landgren vor zwei Jahren dazu durchringen konnte, das Projekt "Christmas With My Friends" (ACT) zu realisieren. Ebenso wie beim Debüt geht es auch im aktuellen zweiten Teil auf eine eigenwillige Reise durch die unvermutet vielseitige Welt der Weihnachtsmusik - quer durch alle Länder und Jahrhunderte. Die Lieder spannen einen Bogen von schwedischen Weisen über klassische Kirchenmusik und Instrumentals bis hin zu Jazz-Standards. Immer dabei: ein berührender, beinahe naiv-kindlicher Charme.

"Weihnachten ist ein nachdenkliches, gleichzeitig aber auch fröhliches Fest", so Landgren, dessen internationaler Durchbruch 1994 mit dem Auftritt auf dem hiesigen JazzBaltica-Festival in Salzau kam. "Doch die Musik ist meist so präsent, dass es kaum Platz zur Ruhe gibt. Die beiden Platten sollen zum Nachdenken anregen, quasi ein Soundtrack der Besinnlichkeit. Man kann es sowohl konzentriert hören als auch im Hintergrund laufen lassen. Unser Motto hieß: Musik mit stiller Freude."

Für die Aufnahmen scharrte "Mr. Red Horn" Landgren wie schon 2006 die Sängerinnen Jeanette Köhn und Sharon Dyall, die Jazzsängerin und Pianistin Ida Sand, den Akustikgitarristen Johan Norberg sowie Saxofonist Jonas Knutsson um sich. Neu in diesem Freundschaftsbund sind die Berliner Bassistin Eva Kruse, bekannt durch ihr Trio [em], und die junge Sängerin Jessica Pilnäs, eine neue Kraft aus Schwedens scheinbar unerschöpflichem Vokalisten-Fundus. Da die Mehrheit der beteiligten Musiker in Stockholm wohnt, wurde folgerichtig ein Studio in der schwedischen Hauptstadt gebucht und die ausgewählten Stücke live eingespielt. "Bei der Songauswahl bin ich sehr demokratisch. Alle, die auf der Platte singen und spielen, haben Mitspracherecht und dürfen Vorschläge machen. Dann versuchen wir, eine möglichst optimale und vielfältige Mischung zu erzielen. Aber am Ende behalte ich mir das Recht vor, eine endgültige Entscheidung zu treffen."

Wird in der Musikerfamilie Landgren zu Weihnachten auch musiziert? Immerhin spielt sein 91-jähriger Vater immer noch Trompete, einer seiner Brüder Fagott, aber in diesem Jahr kämen zu wenig Mitspieler zusammen. "An Heiligabend sind das Essen und das Zusammensein sehr wichtig. Früher wurde alles selbst gemacht, zwei Wochen stand man in der Küche für hausgemachte Sülze, Schinken und Köttbullar. Mein Favorit: Weißkohl in Schinkenbrühe gekocht, Braunkohle genannt. Wenn man dann Brot in diese Soße tunkt - himmlisch!" Nicht fehlen darf der Kirchgang am Weihnachtstag um 6 Uhr morgens. Dort stützt Landgren mit seinem Bruder den Kirchenchor. "Das ist furchtbar früh. Man muss Heiligabend rechtzeitig ins Bett."

KN-Online