Ocker

 

In der Farbenlehre bezeichnet Ocker die zur Farbenherstellung verwendete Tonerde, um Nuancen zwischen Gelb und Braun zu erzielen. Wesentlich greller würde das Ergebnis ausfallen, ordnete man der gleichnamigen Band aus Hamburg einen Farbton zu. Bunt und von großer Leuchtkraft, aus angemessener Distanz jedoch sehr homogen auf den Betrachter wirkend. Das Quartett, das gerade sein Debütalbum „1234 Love“ beim hanseatischen Label Popup Records veröffentlicht hat, möchte so gar nicht in eine Schublade gesteckt werden und windet sich daher in den eisig starren Händen der Zuordnung.

Die Besetzung der Instrumente weist mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard keine Besonderheiten auf. Vier Jungs, die bei aller Normalität jedoch so viele Fragen provozieren: Sind sie Teil einer neuesten Deutschen Welle? Ein Gegenentwurf zur Hamburger Schule? Die Elektrohoffnung für Europa und Übersee? Oder nur eine aufstrebende Combo, die dem momentanen Retro-Chic der 80er Jahre frönt?

Ihr Sound verbindet tanzflächenkompatible Songs mit getragenen Passagen, House-Elemente mit deutscher Krautrocktradition. Mal verweilen die Popnummern in Instrumentalwelten, mal entzünden oktavierte Disco-Bässe, Off-Beat und Vocoder-Stimmen plakative Hits, wie etwa „New York FM“ oder „Transporter“. Zwischen Underground und Mainstream pendelnd, bleiben Ocker somit alles andere als glatt oder berechenbar. Hauptsache, es groovt - und das tut es bei den vier St. Paulianern. Kraftwerk trifft auf Beige GT, Zoot Woman auf New Order, Daft Punk auf Phoenix. So strahlt dieser Soundclash von Ocker einen eigentümlichen Reiz aus – vergleichbar mit einem Strandspaziergang im Schnee.

Morgen, 21 Uhr, Luna.