Der Kieler Songwriter Oli klingt inzwischen noch etwas trauriger

Unstillbare Sehnsüchte, verzweifelte Liebesmüh – kurz vor dem Fest der Liebe singt der Kieler Songwriter Oli Krahe, den sie auch den "traurigen Oli" nennen, mit Band im Rücken seine leichtfüßigen Popchansons vom Straucheln großer Gefühle.

Die neue CD von Oli & Band, "Brennen gildet nicht", steht kurz vor der Fertigstellung. Was bedeutet der Titel, und wie liefen die Aufnahmen?

Oli: Der Titel soll das Phänomen des brennenden Würfels beim Mensch-ärgere-dich-nicht symbolisieren. Eine Interpretation könnte dann besagen: Man muss sich entscheiden! Das Album ist nicht von ungefähr allen Heiratswilligen gewidmet.


Und der "Copy kills music"-Gedanke?

Klar, der spielt auch mit hinein. Ich möchte nicht, dass die CD illegal gebrannt wird. Für die Aufnahmen musste ich mir Geld von Freunden leihen, weil ich pleite bin. Insofern kommt die Hilfe vom Kulturamt ganz recht! Eine Folge der beschränkten Mittel hört man auch auf "Brennen gildet nicht", da sich die Kombination "wenig Zeit – viele Songs" nicht unbedingt positiv auf die Qualität auswirkt. Abstriche beim Einspielen, Abmischen, Mastering und der Kontrolle der einzelnen Faktoren sind dann unumgänglich. Ein weiteres Problem: Produzent Jan und ich hatten durchaus die gleiche Wellenlänge im Hamburger Rekorder-Studio, was dem Album allerdings überhaupt nicht anzuhören ist.


Gibt es Neuerungen in der Bandbesetzung oder beim Songwriting?

Jans Freundin Catharina Boutari (Uh Baby Uh-Sängerin, Anm. d. Red.) wollte ihn zu einem Konzert abholen, als wir noch mit einem Song beschäftigt waren. Auf meine Frage nach einer Duettpartnerin sagte sie spontan zu und hat ihre Aufgabe absolut professionell erledigt. Eine wunderbare Stimme! Als weiterer Studiogast spielte Wiebke Janzen einen Cellopart ein, den ich schon seit langem im Kopf hatte. Ansonsten besteht die Besetzung mit Lars (Bass), Peer (Schlagzeug) und Helmuth (Piano) wie gehabt. Auch beim Songwriting bin ich meiner Linie treu geblieben. Einzige Veränderung: Es gibt noch weniger witzige Songs, genauer gesagt, keinen einzigen; dafür aber einige schnellere Stücke im Vergleich zum letzten Album "Parallel". Im Grunde möchte ich nur das noch besser machen, was ich bisher gemacht habe: perfekt arrangierte Popsongs, denen ich durch Streicher oder Bläser noch mehr Konturen geben kann. Im Vordergrund sollte die musikalische Umsetzung von Songideen stehen, nicht der Bandgedanke. Es geht nicht darum, beispielsweise den Keyboarder während der Proben zu beschäftigen, sondern sich zu fragen, was dem Song noch fehlt.


Was kann der Konzertbesucher in der Hansastraße 48 erwarten?

Aufgrund der Tatsache, dass die CD nicht so toll geworden ist, wird das Konzert wahrscheinlich live mitgeschnitten. Bei einem guten Ergebnis könnten dann die Studioaufnahmen noch einmal neu abgemischt und mit Live-Songs kombiniert werden. Eine CD sieht nicht nur aus wie ein Spiegel, sie fungiert auch wie einer: Man erkennt in den Stücken Dinge, die einem vorher nicht bewusst waren und sich einen Weg hineingebahnt haben. Davon einmal abgesehen spielen wir annähernd vier oder fünf Stunden – und "Brennen gildet nicht" kann trotz alledem käuflich erworben werden.

Morgen, 21 Uhr, Hansastr. 48


Aus den Kieler Nachrichten vom 17.12.2003