DJ und Techno-Produzent Oliver Koletzki kommt in den Luna

"Mückenschwarm" als Zugpferd des Erfolgs

 

Kiel – Stil geht bei Oliver Koletzki stets vor Talent. Nicht von ungefähr hat der Berliner DJ und Techno-Produzent auch seine eigene Plattenfirma nach dieser Lebensphilosophie benannt. Zum dreijährigen Bestehen porträtiert die Compilation „What We Did & What We Do – 3 Years Stil Vor Talent“ sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart des Labels, das sämtliche Spielarten elektronischer Musik zur Schau stellt. Im Interview spricht der 34-Jährige über seinen Durchbruch mit Unterstützung von Sven Väth, den Alltag zwischen Büro und DJ-Pult sowie den Umgang mit Hype-Themen.

KN: Wie erklärst du dir den überraschenden Erfolg nach der Veröffentlichung von „Der Mückenschwarm“?

Koletzki: Den Track hat Sven Väth wohl zufällig in die Hände bekommen und dann in seinen DJ-Sets um die Welt getragen. Produziert hatte ich auch schon in den Jahren zuvor in Wolfenbüttel, aber mit einem Mal wurden die Tracks veröffentlicht und viele Leute fanden es plötzlich richtig gut. Im GROOVE-Magazin wurde ich von den Lesern zum Newcomer des Jahres 2005 gewählt…das war ein echt guter Start! Ich war zu diesem Zeitpunkt auch schon 30 – unerwarteter und später Ruhm für jemanden, der sein Leben der Musik verschrieben hat.

Von einem Ziehvater Sven Väth träumen andere Techno-Produzenten…

Ja, da hab ich auch von geträumt. Wobei: Da hab ich nicht einmal von geträumt, weil ich bis dahin eigentlich nur HipHop und House gemacht hatte und ganz neu in diese Techno-Sparte kam. Väth war für mich so eine Art Techno-Gott und auch eine Respektsperson, aber ich hatte ihn nie live gehört und auch nie gespielt. Und dann landete ich auf Sven Väths Techno-Universum Cocoon.

Profitierst du heute noch davon?

Ja, denn man kann so starke Tracks haben, wie man will – ohne die Unterstützung eines populären Kollegen läuft nichts. Erst dann knallt es richtig. Aber jetzt, nach dreieinhalb Jahren, buchen mich die Clubs nicht aus dem Grund, weil ich damals mit „Mückenschwarm“ Erfolg hatte. Ich hoffe zumindest, dass es eher um meine heutige Musik, meine Remixe und mein Label geht.

Wie kombinierst du als Labelchef die Pflichten als Geschäftmann mit der kreativen Arbeit als Produzent?

Ich bin gelernter Bankkaufmann, kann daher mit Zahlen und so gut umgehen. Im Büro hilft mir Nicole, meine Labelmanagerin und Bookerin, bei den vielen Aufgaben. Ich kümmere mich eher um den Kontakt zu den Künstlern, höre mir neue Demos an und pflege täglich die MySpace-Seite.

Wie hast du die kontroverse Diskussion um Lützenkirchens „3 Tage Wach“ (Rave-Hit 2008 und meistverkaufte Single auf Stil vor Talent) verfolgt?

Ich hab’s ja herausgebracht, insofern steh ich natürlich dazu. Man muss bei dem Text zugrunde legen, dass er ironisch gemeint war. Bei der ganzen Debatte schien das die Wurzel allen Übels. Mir wurde vorgeworfen, ich würde die Jugend auffordern, das ganze Wochenende durchzufeiern. Nüchtern betrachtet wird aber nur darüber gelästert, was passiert, wenn man drei Tage wach bleibt. Aber die Aufmerksamkeit war dementsprechend groß.

War es nicht irritierend, als der Song zur offiziellen Hymne des Melt!-Festivals ernannt wurde?

Ja, sicher. Aber bevor der große Hype losging, hatte ich die Rechte schon an Universal verkauft. Das öffentliche Interesse war so groß, dass ich als kleines Label das nicht mehr bewältigen konnte. Dann kam die kommerzielle Ausschlachtung mit zum Beispiel sechs verschiedenen T-Shirts. Wir wollen zwar Geld verdienen und davon leben, aber nicht auf Teufel komm raus, indem wir Kaffeetassen bedrucken lassen, auf denen „3 Tage Wach“ draufsteht. Das ist nicht unser Ding.

Was sind deine Pläne als Produzent?

Im September soll mein neues Album erscheinen. Ein Pop-Album, zwar elektronisch, auch House, auch Techno, aber sehr melodiös, mit diversen Gastsängern und Sängerinnen. Ich hatte schon immer einen Hang zur Popmusik und nutze die Erkenntnisse aus den zwei Semestern Harmonielehre und Hörbildung in Musikwissenschaft. Irgendwann möchte ich auch ein analoges Album komplett in Bandbesetzung machen, bei dem ich meine Klavier- und Gitarren-Skills auspacken kann – womöglich mit bekannten Techno-Hits aus den letzten 20 Jahren.

Freitag, 30. Januar, ab 24 Uhr, Luna (Bergstr.17a), Support: delik8, Edna Evil