Original Swingtime Big Band in der Petruskirche

 

Das Konterfei von Glenn Miller blickte von der Kanzel der Petruskirche zu den Musikern herüber. Und, als hätte es ihm sichtlich zugesprochen, schien über das Gesicht des legendären Bandleaders ein Lächeln zu huschen. Ein amerikanischer Musikwissenschaftler und Freund Millers soll einmal gesagt haben, dass die Original Swingtime Big Band die am authentischsten spielende Band sei, die er seit dessen Tode gehört habe. Ein großartiges Kompliment - und durchaus vertretbar.

Aus Wien kam die 18-köpfige Big Band unter der Leitung von Manfred Stoppacher angereist, um das Publikum auf einen musikalischen Rückblick der goldenen Swing Ära einzuladen. Ein Zeitsprung von über 60 Jahren, in denen die Songs jedoch nichts von ihrer Frische und dem Charme der unverwüstlichen Melodien einbüßen mussten. Die Anekdoten in den Ansagen des Dirigenten erleichterten zusätzlich den Zugang zum Amerika der 30er und 40er Jahre. Mit professioneller Verve wurden Kompositionen von Tommy Dorsey, Harry James, Count Basie oder Artie Shaw vorgetragen, die alle durch stechend klare und voluminöse Einsätze der Blechbläser glänzten.

Die Akustik des Kirchenschiffs trug sicherlich auch dazu bei, dass der Schalldruck der Trompeten stellenweise enorme Ausmaße annahm. Soli führten durch alle Stimmgruppen und zeugten vom versierten Können der Musiker: Neben der Trompete von Stoppacher - etwa im gemächlich swingenden „Sleepy Lagoon“ und im „Concerto For Trumpet“ - blieb besonders Gernot Strebl (Klarinette, Saxofon) in „Begin The Beguins“ oder das Schlagzeug-Solo von Gerhard Bergauer bei „Sing, Sing, Sing“ dem zahlreich erschienenden Publikum im Gedächtnis. Dankbar honorierte es jeden Einzelvortrag mit Szenenapplaus. Im Gegensatz dazu hielten sich Klavier und Gitarre hörbar zurück und füllten lediglich den homogenen Gesamtsound.

Nach der Pause spielten die Musiker in originalen, sandfarbenen Uniformen der Army Air Force Band, wobei Dirigent Stoppacher verblüffende Ähnlichkeit zu Glenn Miller aufwies –Swing verbindet! Der Bekanntheitsgrad der Stücke stieg mit „Little Brown Jug“, „Rhapsody In Blue“ und der „Moonlight Serenade“ weiter an, so dass die gewöhnungsbedürftige Atmosphäre im Kirchenschiff nun der Vergangenheit angehörte. Absolut euphorisiert, entlockten die Zuhörer der Original Swingtime Big Band noch drei Zugaben und klatschten sich mit „Pennsylvania 6-5000“ warm für den klirrend kalten Heimweg.