Pakava It' - „Wir mixen wirklich alles“

Kiel – Mancher mag sich fragen: SHMF und Datscha-Party, wie passt das zusammen? Doch zum Länderschwerpunkt Russland drängt sich eine solche Veranstaltung förmlich auf. Neben dem Besten aus der osteuropäischen Tanzmusik sowie Video- und Dia-Projektionen russischer Künstler wird bei der Datscha Party in der Halle 400 vor allem das Ensemble Pakava It' morgen für unkonventionellen und höchst unterhaltsamen BigBand-Sound sorgen.

„Für uns kam die Anfrage überraschend, auf einem klassisch geprägten Festival zu spielen. Einige unserer Songs haben zwar Klassik-Wurzeln, aber der Großteil beruht auf modernen Stilen. Unsere Besonderheit: Wir mixen sie alle durcheinander, wirklich alle!“ Alexander Nochin, der bei Pakava It' für das Sousaphon, den Bass und Gesang zuständig ist, legt viel Wert auf diese Feststellung. Nicht von ungefähr heißt das kommende Album "Superground HighSpeedCrossover". Wenn russische, afrikanische und lateinamerikanische Stile mit Jazz, Ska, Karibikklängen und Balkanrhythmen in einem Schmelztiegel vereint werden, klingt das Ergebnis nach überaus tanzbarer Musik. Und unverwechselbar nach den „Fanfaren von Moskau“ – so nennt sich die Band nämlich auch.

Pakava It' begannen 2001 als Straßenmusikensemble in Moskau; als erste Bühnen fungierten die zahlreichen Boulevards und Parks der riesigen Metropole. Die russische Hauptstadt prägte auch den Sound mit Extremen und Dissonanzen: Sozialistische Vergangenheit und bourgeoise Zukunft, neureiche Ignoranz und lebendige moderne Kultur, verzweifelte Jagd nach Glück und menschliche Wärme – bestehen nebeneinander und sorgen für Reibungspunkte.

Pakava It' zählte in Spitzenzeiten bis zu 25 Musiker – mit den entsprechenden Schwierigkeiten, alle Mitglieder für Proben und Konzerte zu versammeln. „Zu neunt ist es mittlerweile okay“, sagt Nochin. „Wir kennen uns, wir lieben uns! Im Prinzip sind wir alle wie eine große Familie.“ Acht der neun Musiker leben in Moskau, nur Trompeter Sashko Privalov hat noch eine Wohnung in St. Petersburg. Neben Nochin und Privalov besteht die Besetzung aus Galaktion Prosperovich (Alt-Saxofon), Ivan Lubennikov (Tenor/Bariton-Saxofon, Gitarre, Gesang), Vyacheslav Keyzerov (1. Posaune), Fedor Senchukov (2. Posaune, Gesang), Yuri Lapshinov (Banjo, Gitarre, Gesang), Stas Astakhov (Schlagzeug) und Anna Shlenskaya (Congas, Percussion).

Heute geht es für die Brass Band erstmal mit dem Flugzeug nach Hamburg, von dort mit dem Bus weiter nach Lübeck zum ersten SHMF-Auftritt. In Kiel, sagt Nochin, sei er noch nie gewesen. Und so bedauert der Bassist, dass er die Aftershow-Party wohl nicht mitfeiern kann: „Wir müssen kurz nach dem Konzert schon wieder nach Berlin. Mein Flieger Richtung Portugal geht am Sonntagmorgen. Und während des Auftritts trinke ich nur Wasser – das ist besser für die Konzentration.“

Die Konzerte von Pakava It' sind ausgeklügelte Shows, erweitert durch Sprechgesang und elektronische Effekte: „Rap-Parts integrieren wir nur in Einzelfällen, wie kürzlich bei einem Auftritt in Italien.“ Da studierten die Russen in der Umbaupause mit den Sängern der Vorband spontan einen Song ein.

Datscha-Party heißt aber noch mehr: Die DJs Andrej Lido und Rodion Levin legen osteuropäische Plattenteller-Highlights mit Ska, Polka und Ethno-Punk auf. Videos, die Vladislav Estrin und Alexander Mirimov auf der Basis sowjetischer Filmästhetik sowie Amateurfilmaufnahmen und Privat-Dias entwickelt haben, sorgen für die visuelle Untermalung.

--------------------------------------------------------------------------------
Im Internet finden Sie diese Meldung unter der URL:
http://www.kn-online.de/artikel/2435979