HipHop auf indisch


Trendgeschrei oder das nächste große Ding? Panjabi MC kommt ins Atrium

Seit ein paar Wochen sorgt Panjabi MC mit seinem Hit Mundian To Bach Ke für viel Wirbel in der Musikbranche und in den Clubs. Es ist diese ungewöhnliche Klangmischung, unterlegt mit dem "Knight Rider"-Thema, die den Song so erfrischend macht. Sitar und andere fremd erscheinende Instrumente und Rhythmen haben immer noch den Reiz des Neuen und Unkonventionellen. Ist das alles Trendgeschrei oder wirklich das nächste große Ding?

Hinter dem Künstlernamen Panjabi MC verbirgt sich Rijinda Rai aus dem englischen Birmingham, 35-jähriger Sohn indischer Einwanderer. Panjabi steht für die Sprache, in der Rai seine Texte verfasst. Schon seit 1992 und neun Alben veröffentlicht er diesen Stilmix aus Bhangra – einer traditionellen asiatischen Tanzmusik – und Elementen aus HipHop, R'n'B und UK Garage. Erstaunlich also, dass in Deutschland erst jetzt reagiert wird, zumal Mundian To Bach Ke bereits 1998 auf den Markt kam. Panjabi MC bestätigt: "Ja, er wurde vor vier Jahren in Großbritannien bei einer kleinen Plattenfirma veröffentlicht. Zuerst lief er in Kanada, dann in den USA in den Discos. Als der Song auch in Filmen verwendet wurde, wurde er immer beliebter. Vor einigen Monaten habe ich dann erfahren, dass er auch in Deutschland ein Hit wird. Deutsche DJs haben mir in E-Mails geschrieben, dass die Post abgeht, wenn sie den Song spielen." Die Plattenfirma spricht anlässlich des demnächst erscheinenden Albums Indian Breaks schon im Januar ganz vollmundig vom Album des Jahres.

Doch was steckt hinter diesem Phänomen? Die Filmindustrie beteiligt sich ebenso an dem Trend, und zeigte 2002 mit Kick it like Beckham und Der Super-Guru zwei Streifen mit indischen Schauspielern oder Themen des Subkontinents. In der Clubmusik hatte man als erstes von dieser musikalischen Frischzellenkur profitiert, indem südamerikanische, asiatische oder afrikanische Elemente mit europäischen Beats verbunden wurden. Im Chartsbereich war es Tarkan, der mit seinem Doppel-Schmatzer-Song zum ersten Mal orientalische Stilmittel hierzulande erfolgreich verkaufen konnte. Im letzten Jahr drängten weitere exotische Klänge ins Rampenlicht: Holy Valance, Truth Hurts oder die Kolumbianerin Shakira mit kreisenden Hüftbewegungen in den Videoclips nutzten die Gunst der Stunde.

Übrigens: "Mundian To Bach Ke" heißt so viel wie "Seid vorsichtig wegen der Jungs!".

Henrik Drüner


Heute, 22 Uhr, Atrium (Raisdorf)

Kieler Nachrichten vom 24.01.2003