Wenn der Bass indisch wummert


Panjabi MC war zu Gast auf der "N-Joy The Mix"-Party im Atrium

Panjabi MC sieht müde aus. Seine gequollenen Augen sprechen eine deutliche Sprache. Kein Wunder, wenn man bei Top Of The Pops aufgetreten ist und sich auf der Aftershow-Party einige Drinks genehmigt hat. Wenn sich 24 Stunden später im Kieler Atrium das Prozedere wiederholt, ist man mitten im Alltag eines Popstars. Die Live-Übertragung vom Radiosender läuft bereits auf Hochtouren, auf die einschlägige Zielgruppe ist Verlass. In den Katakomben des Atriums findet Panjabi MC Zeit für ein Gespräch mit den KN.

Bist Du überrascht über den Erfolg Deines Hits "Mundian To Bach Ke"?

Sehr sogar. Als der Song vor vier Jahren fertig war, hätte ich nie geglaubt, dass er so erfolgreich werden würde. Er zählt wohl zu den bekanntesten Vertretern des Bhangra-Sounds, der mittlerweile so populär geworden ist. Dass er sogar in den deutschen Charts ankommt – großartig!


Wie erklärst Du Dir das Phänomen, dass Bhangra – die traditionelle indische Tanzmusik – in Verbindung mit HipHop und R'n'B erst jetzt für Furore sorgt?

Wenn Leute Songs in diesem Stil hörten, hätten sie nicht erwartet, dass er für den Mainstream geeignet ist. Also haben sie ihn nicht gekauft. Erst als die DJs solche Musik immer häufiger in ihre Sets einbauten, nahm die Akzeptanz allmählich zu.


Bekommst du Feedback aus Indien oder von anderen europäischen Künstlern, deren Eltern aus Indien stammen?

Ja, es ist jetzt auch eine Veröffentlichung des Songs und weiterer Aufnahmen im indischen Mainstream geplant. Mal sehen, wie es läuft. Unter den indisch-beeinflussten Musikern herrscht gegenseitiger Respekt, auch von Dr. Dre oder Timbaland. Die Musik deiner erwähnten Künstler spricht aber ein anderes Publikum an als meine, da gibt es kaum Kontakt.


Was sind Deine nächsten Pläne?

Das Album Legalise von 1998 wird neu abgemischt und veröffentlicht, genauso wie eine neue Single. Ansonsten das übliche Programm: Promotion-Tour, einige Shows, Bhangra-Parties.


Dann wird es hektisch. Panjabi MC muss schnell zum DJ-Pult, um eine Stunde lang das Tanzvolk zu unterhalten. Im Schlepptau zwei Kumpels am Mikro und die Promoterin, die alles auf Video bannt. Panjabi MC behält seine Winterjacke mit Pelzkragen an, obwohl das Atrium kocht. Viermal muss der Hit in verschiedenen Versionen herhalten. Den Leuten ist's egal – Hauptsache, die Bässe wummern prächtig. Das übliche Programm.


Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 27.01.2003