Paula in der Tanzdiele


Electro-Pop-Schlager von guten Eltern

 

Eine wirklich prekäre Situation, in der sich das Berliner Duo Paula momentan befindet. Gerade in der Zeit, in der die Musikindustrie nach innovativen, nationalen Künstlern dürstet, "tauchen Paula wie ein Geschenk fremder Sphären in der deutschen Kulturlandschaft auf" und bescheren dem Labelchef wahrscheinlich rosige Träume. Also schleunigst Album auf den Markt bringen, ordentlich in den Medien promoten, gefälliges Video zur Single "Als es passierte" drehen, auf VIVA2 und MTV schwer rotieren lassen und schließlich die Band auf "Himmelfahrt"-Tour schicken. So darf es nicht verwundern, daß nach einer Stunde (inklusive Zugabe) das Konzert bereits beendet ist, als die ach so unterkühlten Norddeutschen (ich kann es nicht mehr hören!) sich erst so richtig mit Band und Sound in der Tanzdiele angefreundet haben. Elke Brauweiler, Berend Intelmann und Gastgitarrist Benjamin war einfach der Stoff, sprich die Lieder, ausgegangen. Bezeichnenderweise bestand die Zugabe in der Wiederholung des eingängigen Radiosongs "Als es passierte".

Das klingt bis jetzt eher nach Himmelfahrtskommando als nach behaglicher Himmelfahrt. Dem war aber gar nicht so. Denn Paula hatten Flair. Elke hatte jede Menge Flair. Der Bühnenhintergrund der gefüllten Diele (was ist anderes möglich?) in rosa Laken verhüllt, davor eine Discokugel, scheinbar uralte Synthies und die drei Musiker ganz in Weiß gekleidet (wohl eine Reminiszenz an leichte Schlagereinflüsse). Und dann diese Stimme von Elke Brauweiler: jeder Ton saß auf seine Weise, jede Silbe der deutschen Texte hatte ihre Berechtigung. Es ging um allerlei Gefühlskram, Alltägliches oder auch Sinnliches (Stichprobe "Wir sind von guten Eltern, wir wissen, was sich ziemt; die Sonne soll für uns scheinen, das haben wir uns verdient"). Die Stimmlage ist mal schnörkellos hell, mal rotzig gequetscht. Der Wunsch von der angestrebten Karriere ("Wir sind ja keine 20 mehr, und ich habe keine Lust mehr auf Studentenbuden") wirkte auf den anwesenden Hörer und Zuschauer nicht anmaßend.

Überhaupt ein sehr lässiges Auftreten des Trios, besonders wenn Elke divenhaft ihren Arm mit ausgestrecktem Zeigefinder in die Höhe reckte. Genau, wie in der Bierwerbung. Musikalisch bewegte sich das Konzert meist im Synthiepopbereich mit Unterstützung vom MD-Player, angenehm funky Gitarren und klatschendem Discobeat. Eine Ausnahme war die punkige Version von Plastic Bertrands "Ca plane pour moi", bei der richtig gezappelt werden durfte. Da mußten sogar einige Übereifrige von Elke beruhigt werden. Bleibt zu hoffen, daß Paula im Dickicht von Labels, Verträgen, Medien und eventuellem Starrummel nicht den Überblick verlieren. Henrik Drüner