Einfach übersprudeln!


Pe Werner punktete in der Räucherei durch ihre Glaubwürdigkeit


Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße. Pe Werner scheint damit bereits ihre Erfahrungen gemacht zu haben. Rund um die schönste Nebensache der Welt drehen sich die Texte der charmanten Sängerin, mit all ihren Irrungen und Wirrungen, Hoffnungen und Enttäuschungen – die Wiederkehr des ewig Neuen. In der bestuhlten Räucherei, die bis auf den letzten Platz besetzt war, gewährte Pe Werner nach jahrelanger Abstinenz in Kiel einen Blick in ihr bewegtes Seelenleben.

Unterstützt von Peter Grabinger am Keyboard und Andreas Einhorn an der Gitarre, stand der Gesang eindeutig im Mittelpunkt des Trios. Mit klarer Intonation und jeglichen Nuancen zwischen flüsternd und fauchend wurde Pe Werner dieser dominanten Rolle absolut gerecht. Besonderen Spaß schienen ihr jedoch die Kommentare zwischen den Liedern zu machen, in denen sie Anekdoten aus einem Frauenleben preisgab. Die Männerwelt kam dabei gar nicht gut weg. Mit einem genüsslichen Grinsen sprach Pe Werner von Gefühlssparschweinen, in die frau viel hineinsteckt, letztendlich aber "if I had a hammer" fordert. Das Publikum ging begeistert auf die hohe Kalauerquote ein, lachte und johlte vor Vergnügen – Pe Werner als Entertainerin und Standup-Comedienne.

Das große Plus ist ihre Glaubwürdigkeit, denn die Mischung aus Verbitterung und Zuversicht wirkte nicht gespielt, sondern aus dem Leben gegriffen. In den Songs war der bissige Ton der Ansagen jedoch wie weggespült: dreistimmiger Gesang in den harmonischen Refrains, viel Hall auf den dezent eingesetzten Begleitinstrumenten, das Schlagzeug aus der Konserve sowie teilweise sehr ruhige und nachdenkliche Balladen (Ich werd das Gefühl nicht los, Ohne dich). Sporadisch glänzten Grabinger und Einhorn als Solisten, meist aber füllten sie den gut abgemischten Sound mit Wohlklang. Der größte Hit Kribbeln im Bauch fehlte nicht, kam aber erst als Zugabe – Mitsingen inklusive. All you need is love.


Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 18.02.2002