Musikalischer Rausch, ganz legal


Grandios: Peter Weniger Trio in der Waldschänke



Musik ist eine Droge, und wir sind alle drauf. Das aktuelle Album des Peter Weniger Trios heißt nicht von ungefähr Legal Paradizer, indem es den auditiven Kick als natürliches Rauschmittel beschreibt. Wer beim Konzert in der Waldschänke dabei sein durfte, bekam eine gehörige Überdosis verabreicht. Schaltzentrale aus, Ekstase an, Superlative rauskramen.

Peter Weniger begann solistisch am Saxofon. Angetrieben von einer unsichtbaren Begleitung, durchpflügte er Skalen, verschärfte das Tempo, um schließlich beim eingängigen Thema des ersten Songs zu landen. Heinz Lichius am Schlagzeug und Bassist Decebal Badila setzten punktgenau ein – "Jam it up!". Die Gespräche bei Tisch verstummten, denn mit einem Schlag sprengte das Klangereignis die gediegene Atmosphäre des Restaurants. Rhythmische Brechung wurde zum spielerischen Prinzip auserkoren, die Kunst der Auslassung gemeistert, die sparsamen Arrangements jedoch voll ausgereizt. Wer vermisste ein Melodieinstrument, wenn die drei Musiker derart kongenial harmonierten? Der Zuhörer erlebte die Faszination, wenn nicht mehr das Ob, sondern das Wie über den Grad der Perfektion entscheidet. In der Pause umarmten sich die Akteure auf der Bühne – wohl mehr als nur ein gutes Zeichen.

Der mittlerweile in Berlin lebende Weniger spielte genüsslich seine Stärken aus, setzte herrliche Synkopen, begeisterte mit Spielwitz und technischer Finesse, verausgabte sich bis zu einem "Man reiche mir ein Sauerstoffzelt!" – nach dem dritten Stück! Ein Schwung von Musikern des LandesJugendJazzOrchesters, die nach der Probe vorbeikamen, trauten seinen Ohren kaum. Am Ende skandierten sie gemeinsam "Su-per-star", als sei die Entscheidung bei "DsdS" bereits gefallen. Doch die Mannschaft war der Star: Schlagzeuger Lichius schlug mit seinen Sticks Türen zu anderen Genres auf, denn der schnörkellose Beat wollte mehr, wollte Rock, Blues und jede Menge Funk. Der Rumäne Badila bearbeitete dazu sein Instrument, mal als Slap-Bass, mal als walking bass oder mit Effekten verfremdet. Der E-Bass versprühte zwar nicht den Charme eines Kontrabasses, aber wer fragt bei diesem Ergebnis noch danach? Castro-Pope bot kubanisches Flair, Speedworld ungeheuren Drive und solistische Klasse, während French Affair – obwohl einen Gang runtergeschaltet – seine Intensität bewahrte. Das Saxofon erklomm immer höhere Sprossen der Tonleiter, Weniger holte das Letzte aus dem Instrument heraus und triumphierte. Jubel, Zugaben, Rausch. Ein Konzert, das Maßstäbe gesetzt hat.

Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 03.03.2003