Quartett Komplett brachten im Schauspielhaus ihr neues Programm zu Gehör



Ob im Frack oder Kapuzenpullover: Quartett Komplett machten optisch und akustisch eine gute Figur. Foto Schaller Wenn die selbsternannte "1. A-cappella-Boygroup Kiels" ein Konzert gibt, dann dürfen sich Ohren, Augen und Zwerchfell der Zuhörer auf einen ereignisreichen Abend freuen. So auch im Schauspielhaus, wo das Quartett Komplett sein neues Programm Die reine Wahrheit vorstellte und sich am Ende einem frenetischen Publikum gegenüber sah.

Der Vergleich zu Dieter Bohlen kam dabei wiederholt in den Sinn: Auch die vier Sänger Carsten Haack, Matthias Busch, Peter Horns und Tim Krutein wurden 1988 aus dem Kieler Knabenchor heraus "gecastet", Bohlens Autobiografie heißt "Nichts als die Wahrheit", und im Repertoire des zweistündigen Programms huldigte das Quartett mit einem Medley aus Modern Talking-Gassenhauern dem Produzenten-"Titan". Doch es besteht ein großer Unterschied zwischen ihnen: Quartett Komplett haben Klasse und Erfolg, Dieter dagegen nur Letzteres.

Abwechslungsreich ging es vom Volkslied bis zu Schlager- und Popsongs, immer pendelnd zwischen dem Humor von In der Bar zum Krokodil oder Er gehört zu mir und einfühlsamen Balladen wie In The Still Of The Night. Ähnlich vielfältig das Outfit der Herren: Vom klassischen Frack über den legeren Anzug als "Traum in grau" bis zum Kapuzenpullover mit Bandlogo im Zugabenblock - alles war möglich. Aus einem Kreis von Sympathen trat besonders Bassist Buschi hervor, der als Publikumsliebling den unwiderstehlichen Verführer bei Gigolo/I Ain't Got Nobody mimte und auch sonst die frischesten schauspielerischen Einlagen zeigte. Doch der Comedy-Anteil blieb immer unterhalb der Schmerzgrenze und ergänzte nur den Vortrag, so dass der Spaß-Faktor hoch, die Kalauer-Quote jedoch angenehm niedrig blieb. Denn die Lokalmatadoren mussten keine musikalischen Defizite überspielen - ganz im Gegenteil: Es erklang reine Vokalharmonie, die mit Elementen aus Close-Harmony, Rückungen und einer bestens aufeinander abgestimmten Mischung aus Begleit- und Melodiestimme begeisterte. Buschi imitierte zur Freude der vollbesetzten Reihen mal einen Kontrabass, mal Tenor Krutein eine schlecht geölte Trompete oder Bariton "Oberlehrer" Haack die Bewohner des Dschungelbuchs. Als dann noch das Publikum zu interaktiven Spielchen bei Sun Of Jamaica beteiligt wurde, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr.

Das größte Kompliment gilt jedoch dem geglückten Vorhaben, ein diffiziles Liedrepertoire durch harte Probenarbeit letztendlich so vortragen zu können, als sei es die einfachste Sache der Welt; John Lennon und Paul McCartney beispielweise wären über die Blackbird-Version vom Quartett Komplett sicherlich gerührt.

Nächster Auftritt: Montag, Schloss, 20 Uhr

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 27.05.2004

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