Fast wie beim Open Air


Gluecifer, A und Union Youth: Jack Daniel's ließ in der Traumfabrik rocken

Die musikalische Vielfalt eines sommerlichen Open Air-Festivals lässt sich offenbar auch an einem Konzertabend mit drei Bands realisieren. Bei der "Jack Daniel's RockNight" in der Traumfabrik jedenfalls hatte jeder im Publikum seinen persönlichen Favoriten – und kam auch voll auf seine Kosten.

Aller Anfang war jedoch schwer: Während die Warteschlange vor dem Eingang länger und länger wurde, dröhnten aus der Halle bereits die ersten Songs von Union Youth. Die Newcomer aus Bad Bentheim mussten ihr Set überpünktlich beginnen und sahen sich daher nur allmählich füllenden Reihen gegenüber. Auch die Mischer hatten noch Probleme, die Soundwand aus den Boxen zu bändigen. Der Gesang von Maze wäre glatt untergegangen, hätte dieser sich nicht die Seele aus dem Leib geschrieen.

Erstaunlich professionell wirkten die Jungs für ihr erstes Tourjahr, setzten alle gängigen Rockgesten ein und klangen live noch eine Spur härter als auf dem aktuellen Album The royal gene. Schlagzeuger Bowy grinste so verschmitzt, als wenn er es noch gar nicht fassen könne, die Rolle eines Rockstars zu spielen. Nach einer halben Stunde ein klischeehafter Abgang: Mazes Gitarre nahm schmerzhaften Kontakt mit dem Bühnenboden auf, und das Quartett verschwand kommentarlos.

Bei Gluecifer war der Moshpit schon wesentlich zahlreicher, den die Band um Frontmann Biff Malibu auch bestens bediente. Vom ersten Takt an rockte das Quintett aus Oslo kompromisslos nach vorne, geizte nicht mit geradlinigen Riffs und ließ auch das in Vergessenheit geratene Gitarrensolo wieder hochleben. In den knalligen Refrains konnte sich Biff – wie immer Dressman in Anzug und Krawatte – auf die Textsicherheit der Fans verlassen. Erste Crowdsurfer versuchten ihr Glück, und in der biergeschwängerten Luft verbreitete sich ein gehöriger Hauch von Rock'n'Roll. Die lautstark geforderten Zugaben waren ein Muss für das Highlight des Abends.

Nach Gluecifer hat es jede Band schwer, den Party-Level zu halten. So kämpften A anfangs nicht nur mit dem Sound, der viel zu basslastig ausgesteuert war – auch das Publikum musste sich erst mal mit den neuen Crossover-Klängen anfreunden. Doch die Briten haben in fünf Jahren im Business genügend Erfahrung und radiotaugliche Hits gesammelt, um auch die Kieler zum Hüpfen zu bringen. Ein runde Veranstaltung, die nach einer Wiederholung schreit.


Henrik Drüner

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Kieler Nachrichten vom 15.11.2002