Rod Stewart machte am Südstrand von Eckernförde bis zum abrupten Schluss richtig Party

Kicks für Publikum und Bälle

 

Eckernförde – Womöglich hat sich Rod Stewart selbst gemeint, als er 1984 das Lied „Some Guys Have All The Luck“ schrieb. Ein Weltstar mit Ananas-Frisur und Sandpapierstimme, der am Südstrand von Eckernförde seine zahlreichen Hits lückenlos aneinanderreihte und damit über 10000 Zuschauer beim 2. Beach Summer Festival in Verzückung versetzte. Bis ganz zum Schluss.

Nach dem Konzert von Joe Cocker vor zwei Jahren oblag die Headliner-Rolle diesmal dem britischen Sänger Roderick David „Rod“ Stewart, CBE, eine Abkürzung für „Commander of the Order of the British Empire“. Wegen seiner Verdienste um die Musik, versteht sich.

Wenig Glück war Sänger Leon Taylor bei seinem Auftritt am Nachmittag beschienen. Petrus hatte kein Einsehen mit dem gutherzigen Soulpop des Frankfurters, schickte Wassermassen gen Erde. Erst bei Nik Kershaw und dessen Gedächtnisstütze an vergessen geglaubte 80er-Radio-Dauerbrenner strömten die Zehntausend allmählich vor die Bühne. Sie beklatschten höflich und geduldig die unbekannten Lieder seines neuesten Albums „You’ve Got To Laugh“. Zur Belohnung streute der ergraute Kershaw „The Riddle“ ein, später noch die obligatorischen „Wouldn’t It Be Good“ und „Won’t Let The Sun Go Down On Me“. Ein insgesamt zurückhaltender Auftritt, doch die Stimme ist noch unverkennbar.

Rod Stewart hatte sich laut Programm vorgenommen, seine größten Hits zu rocken. Leichtes Spiel für einen, der sich 1971 mit seiner Platte „Every Picture Tells A Story“ als Solist etablieren konnte und es in 40 Jahren als Musiker auf etwa ebenso viele Top-Hits brachte. Der Mehrwert eines Live-Konzerts gegenüber einer „Best Of“-CD in der heimischen Kompaktanlage? „Rod the Mod“ macht wirklich Party an diesem Abend. Exakt anderthalb Stunden und 18 Songs lang.

Die formvollendete Bühnendekoration wirkt wie eine Revue der 50er und 60er Jahre: weiße Tücher umfließen die Umrandungen, drei Backgroundsängerinnen in veilchenblauen Kleidchen schnippen mit den Fingern, Saxofonistin Katja Rieckermann – aufgrund ihrer Bad Schwartauer Herkunft verstärkt im Fokus – funkelt mit ihrem goldenen Instrument um die Wette, zwei Schlagzeuger trommeln um ihr Leben, Protagonist Stewart hat sich in einen blauen Blazer, schwarze Hose und goldene Schuhe geschmissen. Im weiteren Verlauf wird er noch zweimal die Garderobe wechseln, im Zoom auf der Großbild-Leinwand im Bühnenhintergrund gut nachzuvollziehen.

Topografisch patzt der Engländer mit dem schottischen Herzen, als er sich mehrmals an der Nordsee wähnt. Doch bald wird ihm der Fehler von der Regie (K. Rieckermann) gesteckt, und Stewart ist britischer Gentleman genug, um sich aufrichtig zu entschuldigen: „Please accept my apologies!“

Was er und seine vielköpfige Band bei bestem Sound zwischen Rhythm’n’Blues („Twistin The Night Away“), Rock („Hot Legs“), Ballade („The First Cut Is The Deepest“) und Disco-Pop („Da Ya Think I’m Sexy?“) zelebrieren, begeistert die Massen. Musikalisch, aber auch vom Unterhaltungswert. Bei „Hot Legs“ schießt der ehemalige Profi-Anwärter von der Bühne Fußbälle ins Publikum, weiße Taschentücher werden bei „The First Cut Is The Deepest“ geschwenkt, ein Doppel-Schlagzeug-Solo unterbricht „Downtown Train“, der Gitarrist verbiegt sich in der Abendsonne beim Solo von „Sailing“, der Schmachtsong, der Stewart 1975 auch in Deutschland den Durchbruch verschaffte. Höhepunkt: „Baby Jane“ mit den Refrainzeilen „When I give my heart again / I know its gonna last forever“.

Der 64-Jährige balzt und kokettiert dazu mit seinen attraktiven Sängerinnen, streckt seinen Hintern zum Publikum und gibt sich einen Klaps. Ganz der Alte, ganz der Bühnenprofi. Umso erstaunlicher die unverhoffte Partybremse nach „Da Ya Think I’m Sexy?“. Kurzes Winken, Abgang und Einblendung „Mr. Stewart has left the building“. Abruptes und für viele auch verfrühtes Ende eines bis dahin sehr überzeugenden Konzerts.