Roel van Velzen-Interview

Kiel – Im vergangenen Jahr wurde kein Song häufiger im Radio gespielt als „Baby Get Higher”. Wohlgemerkt, in den Niederlanden. Darüber hinaus ausverkaufte Shows, bei denen das Publikum jede einzelne Zeile der Songs mitsingt. In den Niederlanden. VanVelzen alias Roel van Velzen ist ein unbestrittener Popstar bei den Nachbarn im Westen. Doch der 30-jährige Sänger und Multiinstrumentalist will mehr, im Gepäck die Hit-Single und das kommende Debüt-Album „Unwind”. Bei seiner Körpergröße von 1,50 Meter ist van Velzen freundlich, schlagfertig – und selbstironisch: Zum Abschied des Gesprächs im Radiozentrum Kiel verschenkt er ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Size matters“.

Es verwundert, dass in Zeiten von Internet und MySpace noch national begrenzte Popularität möglich ist. Wie erklärst du dir dieses Phänomen?

Ich habe keine Ahnung. Es gibt eine lange Pop-Musik-Kultur in den Niederlanden, und auch englische Texte sind sehr präsent. Vielleicht liegt es daran, dass wir zuerst eine Basis schaffen wollten. Also mindestens ein Jahr die Sache vor Ort wachsen lassen, viele Live-Gigs spielen und Erfahrungen sammeln. Ich habe immer gesagt: ‚Wenn es passieren soll, dann passiert es auch.’ Jetzt ist es soweit.

Soll dein Name europaweit ein Begriff werden?

Sicher, aber momentan beschränken wir uns auf Deutschland und Belgien. In Mannheim haben wir bereits ein Musikvideo gedreht. Es ist echt aufregend, sich innerhalb weniger Tage in elf Städten bei Medienleuten vorzustellen, die nicht wissen, wer du bist. Ich reise gerne, und Deutschland ist wirklich groß.

Du sprichst oft von „wir“. Wer steckt dahinter?

Gleich zu Beginn saß ich mit meinem Manager zusammen. Gemeinsam machten wir einen groben Plan und überlegten, wer in einer perfekten Welt mit uns arbeiten sollte. Ich schrieb Namen von Produzenten, Musikern, Promotern und sogar Roadies auf und sagte: 'Lass uns versuchen, diese Leute zu bekommen!’. Es dauerte zwar eine Weile, aber so entstand das beinahe familiäre „Team VanVelzen”. Alle Beteiligten setzen sich absolut ein und glauben an den Erfolg – im Grunde ein „Dream Team“.

Wie stark ist dein Einfluss auf die Lieder und Texte?

Beim Songwriting vertraue ich neben holländischen Kollegen auch auf einige schwedische Komponisten, mit denen ich auch jetzt wieder am zweiten Album arbeite. Es ist irgendwie eine Balance zwischen Pop und Rock, stark geprägt vom Klavier, meinem Hauptinstrument. Einige Stücke sind im Gute-Laune-Uptempo, andere ruhiger und persönlicher, wenn es beispielsweise um die zwischenzeitliche Trennung mit meiner Freundin geht. Die Texte sind alle von mir, teils biographisch, teil fiktiv, aber beschreiben kann ich die nur schwer.

Lässt du dich bei Live-Auftritten noch von den erstaunten Blicken irritieren, die deiner Körpergröße gelten?

Mittlerweile denke ich nicht mehr darüber nach. Als Kind war es hart, klar. Da war ich der „kleine Mann“, der „Zwerg“. Aber es kann auch ein Vorteil sein, weil die Leute sich sofort an mich erinnern. Insofern ist es kein schmerzvolles Thema mehr. Ich mache mir eher einen Spaß daraus, indem ich T-Shirts mit „Supersize me“-Logo trage. Auf der Bühne liebe ich es, mit dem Publikum zu interagieren und dadurch eine Synergie entstehen zu lassen. Es ist großartig, wenn man spürt, wie die Songs unterschiedlich auf die Zuschauer wirken.