Ambitionierter Folkpop zwischen episch und verspielt: Roman Wreden kommt ins Prinz Willy

Tagträumereien unterm Weidenbaum


Kiel - Auf aktuellen Pressefotos sieht Roman Wreden aus wie ein Waldschrat. Vollbart, Mähne und verschrobener Blick inmitten eines Hains. Kein Marketing-Gag, vielmehr der visuelle Ausdruck seiner neuen CD "Willow Tree" (HeadShotRecordings/AL!VE), die Sänger und Gitarrist Wreden bewusst als Konzeptalbum gestaltete.

Unter einem Weidenbaum, so die Übersetzung des Titels, gibt sich Wreden den Tagträumen hin und denkt an die große Liebe seines Lebens, der er das Werk gewidmet hat. „Es ist eine Hommage an meine Freundin, die sehr naturverliebt ist. Den Song 'She Moves In The Woods' schrieb ich als erstes, in den weiteren habe ich die Idee mit den Naturmetaphern dann weitergesponnen.“ Von Berlin aus, wo Wreden an den zwei Folgeabenden Konzerte geben wird, führt der Songwriter am Telefon in seine Welt ein.

In den Liedern erzählt er von Waldwesen, einem großen Sturm oder dem Traumland Induria, mit Mut zu großen Gesten, märchenhafter Bildersprache und viel Liebe fürs Detail. Dem Fotografen Marco „Dink“ Dinkel ließ er bei der Umsetzung des Konzepts freie Hand: „Zum Glück ist Naturfotografie seine Spezialität. Er durfte sich richtig austoben und künstlerisch verwirklichen.“

Dass er das Songwriting-Einmaleins beherrscht, konnte Wreden schon in seiner früheren Band Lost In Venice unter Beweis stellen, als man mit Cardigans, The Beautiful South, Stereophonics oder Interpol tourte. Nur noch ein Punkt im Rückspiegel. Nach "Make My Day" (2005) und dem offiziellen Debüt "Trophy" (2006) ist "Willow Tree" Wredens zweites Studioalbum. Über ein Jahr lang werkelte er daran in seinen portablen Vineyard-Studios und im „Favoritenpark“ Stuttgart, unterstützt von zahlreichen Gastmusikern. Obwohl Wreden zu den Singer/Songwritern gezählt werden kann, ist "Willow Tree" eher ein Band-Album geworden. Epische Piano- und Streicher-Arrangements wechseln sich ab mit verspieltem Folkpop, inspiriert von Rufus Wainwright oder Jeff Buckley und stimmlich oft verglichen mit Chris Martin.

In Kiel begleitet Roman Wreden nur E-Gitarrist Zura: „Er macht so viel und so viel Verschiedenes, dass man die fehlenden Streicher- und Klavierparts gar nicht vermisst. Er hat klassische Gitarre studiert und bereichert meinen Sound aus Akustikgitarre und Gesang mit tollen Spielereien. Das funktioniert super, zumal die Lieder auch in dieser reduzierten Form entstanden sind.“

KN-Online