Interview mit Ronnie Taheny

"Es geht doch darum, mit dem Publikum zu spielen"

 

Kiel – Sie hat diese Fähigkeit, Menschen einzunehmen. Mit leuchtenden Augen und warmherziger Ausstrahlung beantwortet das Energiebündel Ronnie Taheny die Interviewfragen, als sei es ihr das Einfachste auf der Welt. Bereits 1993 startete die Australierin ihre Solokarriere und wurde dort als bedeutendste Solo-Künstlerin ausgezeichnet. Dann zog es sie nach Europa, wild entschlossen, als eigenständige Künstlerin ein größeres Publikum zu erreichen. Die Songs, vorgetragen mit Gesang und Gitarren- oder Klavierbegleitung, mischen Elemente aus Folk und Pop ebenso wie Blues, Soul und Rock.

Du trittst nun schon zum dritten Mal hintereinander im KulturForum auf. Wie kommt es dazu?

Ende der Neunziger spielte ich im Lutterbeker. Dank Burkhardt Sauer (lokaler Veranstalter, Anm.d.Verf.), der mich damals fragte, ob ich nicht einmal im Zentrum auftreten wolle, komme ich immer gerne wieder ins KulturForum. Ein toller Konzertraum. Ich brauchte zwei Jahre, um überhaupt in Deutschland auftreten zu können. Jetzt, wo ich im System drin bin, weiß ich auch, warum: Es gibt so viele Singer/Songwriter und nur ein begrenztes Kontingent an solchen Terminen in den passenden Lokalitäten. Wenn man Informationen an Kollegen weitergibt, bekommt man keinen Job. Daher ist Solidarität eher selten. Über eine Agentin bekam ich dann den Einstieg.

Welche Vorteile siehst du als musizierende Globetrotterin?

Für jeden von uns gilt: Wenn man offen bleibt, gibt es immer Entwicklungen. Wenn man wie ich die kleine Welt in Australien verlässt, um die große Welt kennen zu lernen, dann merkt man bald, wer man ist und welchen Stil man verfolgen möchte. Dieses Wachrütteln geht schnell, vor allem als Solo-Künstlerin, da man auf sich allein gestellt ist. Ein Beispiel: Ich fühle mich als Folk-Künstlerin, doch auf einem Folk-Festival bin ich plötzlich eher Rock’n’Roll. Durch den Austausch lerne ich alles kennen, ebenso die Geschichten, Gedichte und Anekdoten, die ich auch durch meine Reise erlebe und auf der Bühne erzähle.

Mit deiner Band The Outhouse Orchestra kennst du auch die andere Besetzungsform. Worin liegen die Unterschiede?

In einer Band ist es einfacher auf der Bühne, schon aus psychologischen Gründen. Man hat Pausen, steht nicht komplett im Mittelpunkt. Und man kann mehr Farben gestalten, mehr Variation kreieren. Wenn man dann noch vier gute Freunde wie ich in der Band hat, ist die Musik sogar nur sekundär. Am Dienstag hole ich sie vom Frankfurter Flughafen ab, für einige Konzerte.

Als Solo-Künstlerin bist du besonders für deine Interaktion mit dem Publikum bekannt…

Oh ja, ich liebe das, selbst auf den Aftershow-Partys! Die Zuschauer müssen sich ein Bild vom Künstler machen. Die Privatperson Ronnie Taheny und die Künstlerin Ronnie Taheny sind identisch. Das hoffe ich zumindest!? Ich denk auch auf der Bühne daran, was den Leuten gerade so im Kopf vorgeht. Es geht doch darum, mit dem Publikum und nicht eindimensional vor ihm zu spielen. So versuche ich, mehrere Dimensionen von mir anzubieten. Vielleicht kommt dieser Wunsch von der irischen Mentalität, die alle Menschen als eine Art Gemeinschaft ansieht. In 14 Jahren auf Tour habe ich kein Arschloch kennen gelernt. Wirklich erstaunlich! Die Leute sind so nett – und ich weiß nicht, warum!?

In welchem Verhältnis mischst du die Begleitinstrumente Klavier und Gitarre?

Wohl fifty-fifty. Es sieht auch besser aus, weil mehr Bewegung auf der Bühne ist. Ein englisches Sprichwort beschreib es gut: A moving target is hard to hit. Am Klavier könnte ich stundenlang sitzen und meine Balladen spielen, aber das würde auf Dauer langweilig für die Zuschauer. Also wechsele ich an die 12-saitige Gitarre, mit der ich rhythmischer und rockiger agieren kann. Diese Mischung macht es aus. Mein Stil? Am besten kein Stil.

Wie schaffst du es, an neuen Songs zu arbeiten, wenn du acht Monate im Jahr unterwegs bist?

Gute Frage. Es fällt mir wirklich schwer, das nächste Album fertig zu stellen. Manchmal greife ich mir die Gitarre, wenn ich mit dem Wagen im Stau stehe. Auf Tour bin ich immer mit Organisation und Booking-Angelegenheiten beschäftigt. Ich glaube, ich könnte ein kleines Land regieren, aber ich schaffe es kaum, einige Songs zu schreiben.

Heute, 20 Uhr, KulturForum (Andreas-Gayk-Str.31)
Kieler Woche, 24. Juni, BMW Bootshafen-Bühne (mit Band)