Sex Pistols: Jubilee (Virgin)

Die New York Times sprach von einem “Symbol der rastlosen Energie jugendlicher Subkultur, die die industrialisierte bourgeoise Gesellschaft als heuchlerisch, selbstsüchtig und abgeschlafft verachtet”. Eine Umschreibung keiner geringeren Band als den Sex Pistols, in der Anfangsformation mit John Lydon aka Johnny Rotten (vc), Steve Jones (g), Paul Cook (dr) und Glen Matlock (bg).

Die Spektakel-Combo bildete die radikale Antithese zum Establishment der damaligen Zeit. Mit rüder, ungehemmter und kalkulierter Provokation wurde das Musikbusiness aus seinem Dämmerschlaf geweckt, deren Folgen von England aus überall in der Welt zu spüren waren. Nicht die Musik war die Antriebskraft, mit der in der Szene etwas bewegt wurde. Es war eher der Sturm ihrer skandalösen Publicity, die junge Bands anregte, einfach drauflos zu musizieren. So wurde ihr erster Gig im November 1975 nach zehn Minuten wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses abgebrochen. Labelwechsel von EMI über A&R bis schließlich zu Virgin Records belegen die Problematik, denen die Musikkonzerne bei der Vermarktung dieser Form von Rebellion ausgesetzt waren. Unterstützt wurden die Sex Pistols von Manager Malcolm McLaren, der den schlimmen Ruf durch manipulierte Randale-Aktionen noch steigerte. Die Medien waren empört, während die Anhänger der sich zu jener Zeit zusammenraufenden Punk-Szene neue Idole feierten. Im März 1977 ersetzte John Ritchie, besser bekannt unter seinem Spitznamen Sid Vicious, den ausscheidenden Matlock.

Die Liebesaffäre von Vicious mit dem Groupie Nancy Spungen und der unnatürliche Tod der beiden 1978/79 wurde später in „Sid and Ficious: A Love Story“ verfilmt – Jahre, nachdem das Strohfeuer des musikalischen Erfolgs der Band lange erloschen war. Allein das Album „Never Mind the Bullocks, Here´s the Sex Pistols“ machte Furore und überzeugte auch die Kritiker. Zum Silbernen Jubiläum der zweiten Single „God Save the Queen (The Fascist Regime)“ vom Mai 1977 – und pikanterweise dem Goldenen Thronjubiläum von Queen Mum, die sicherlich not amused über den Titel war – veröffentlicht Virgin jetzt mit „Jubilee“ ein Best Of-Album. Es enthält alle jemals veröffentlichten Singles (u.a. „Anarchy In the U.K.“, „Pretty Vacant“) und zusätzlich drei Videos der bekanntesten Songs. Wer weiß, wo die Musik stehen würde, wären die Sex Pistols nicht in die Bastion eingefallen. Ihr Einfluss wirkt zumindest noch bis heute nach. Henrik Drüner


Discographie (auf Virgin):
Never Mind the Bullocks, Here´s the Sex Pistols (1977)
The Great Rock´n Roll Swindle (1979)
Some Product (1979)
Flogging a Dead Horse (1979)
Sid Sings (1979, Solo-Album von Sid Vicious)