Soel

Der schwarze Kontinent hat für den in Paris lebenden Trompeter Pascal Ohsé immer noch eine große Bedeutung. Zum einen stammt der Künstlername Soel aus seiner Heimat in Guinea (der Vater kommt aus dem westafrikanischen Land, während die Mutter Französin ist), zum anderen umschließt der Buchstabe „O“ auf dem Booklet die Umrisse des riesigen Kontinents.

Mit „Memento“ (Warner) möchte Ohsé jedoch auf einen anderen Gesichtspunkt aufmerksam machen: „Ich hatte nicht die Absicht, meine Herkunft in den Songs auszudrücken. Auch wenn es im Endeffekt auf Afrika zurückgeht, war es eher als Tribut an die afroamerikanische Musik gedacht.“ Er meint damit den Soul und Funk der 60er und 70er, die Phase der Blaxploitation-Filme wie „Superfly“, The Mack“ oder „Shaft“.
Seine bisherigen Etappen lesen sich sehr flüssig: Mit elf Jahren das Trompetespielen erlernt, später Konservatorium, Auszeichnungen, Beitritt zur „American School“ (Pariser Jazzschule) und verschiedene Latin-Projekte (Sideman bei Ernesto „Tito“ Puentes, Diaspora, Kolity). Die Bekanntschaft zu Ludovic Navarre aka St. Germain machte er schließlich 1994. „Wir hatten damals gemeinsame Freunde, die uns einander vorstellten. Daraufhin lernte ich auch seinen Umgang mit Musik kennen. Ich war total geschockt – er hat eine so wundervolle Art!“ Ohsé spielte bei dessen zwei Alben „Boulevard“ und „Tourist“ im Studio die Trompetenparts ein, im Gegenzug zeichnete sich Navarre bei seinem Solo-Debüt als musikalischer Leiter und Produzent aus – und Ohsé nahm diesen Tausch nur allzu gerne in Kauf.

In den neun Songs werden gar nicht erst Schubladen mit akustischen und elektronischen Elementen eingerichtet. Mit Hilfe der Studiogäste am Mikro (Victoria „Tori“ Robinson, Clement Ashford, Chris Henry) ist zwischen Soul-Groove und Jazz-House alles möglich. „Ich habe Vergangenes und Jetziges kombiniert, ohne darauf zu achten, einen bestimmten Stil durchzuziehen. Mit dem Album verhält sich es sich wie mit dessen Titel „Memento“: Man muss einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen, um für die Zukunft umsetzen zu können, was man aus ihr gelernt hat.“ Große Worte, großes Album.

Henrik Drüner