Solly im Kulturladen Leuchtturm

Am warmherzigen Pulsschlag des Blues

 

Kiel – Man merkt, dass Soli Aschkar, Tochter eines syrischen Immigranten und einer Deutschen, unter ihrem Künstlernamen Solly schon richtig rumgekommen ist. Wer bereits mit dem amerikanischen Bluesmusiker und dreifachen Grammy-Gewinner Keb’ Mo’ durch die USA, Kanada und Australien tourte und sich in Los Angeles als Solistin auf Open Stages erprobte, der weiß auch mit einem blauen Montagabend im Kulturladen Leuchtturm umzugehen.

Konfuzius sagt: Wer von sich behauptet, die Welt gesehen zu haben, muss einmal Friedrichsort innerhalb der Ortsschilder betreten haben. Mit einem kecken „Hello Cleveland“ begrüßt die Münchner Sängerin, Gitarristin und Songwriterin, die ihr offizielles Debütalbum „Miles“ vorstellte, die fünf Zuschauer. Für sie wirke es wie eine Gesprächsgruppe, Abteilung Musiktherapie, in dieser familiären Runde ihre Songs kundzutun. Songs, die voll gesogen sind mit Folk, Soul, Pop und dem warmherzigen Pulsschlag des Blues.

Solly kennt auch das Gefühl als Bandmusikerin, unterstützt von Schlagzeug, Keyboard, Gitarre und Bass, doch schon mit Akustikgitarre und Stimme vermag sie den jeweiligen Liedcharakter adäquat zu transportieren. Kaum zu glauben, dass sie sich erst mit 21 Jahren das Gitarrenspiel beibrachte – inzwischen beherrscht sie die anspruchsvolle Slide Guitar und sämtliche Picking-Stile wie eine „Jugend musiziert“-Abonnement-Siegerin. Mit „Sixstrings“ schrieb sie dem Instrument sogar ein Liebeslied.

Es sei ein sehr langer Weg bis zur Vollendung der CD geworden, dementsprechend der zweideutige Titel. Auf ihr versammelt Solly kleine Geschichten mit teils wichtigem, teils nichtigem Hintergrund. Allein, es ist ein ausnahmsloses Vergnügen, den Storys zu folgen, vorgetragen von einer kräftigen Altstimme zwischen Schwermut und Aufbruch. „Two Hours On The Plane“ fiel ihrem Co-Autor über den Wolken zu, als er sich auf dem Weg nach Barcelona in die Arme der Liebsten befand, bei „Please Stay“ droht ein Rechtsstreit mit Peter Kraus, wer den Song für sein nächstes Album nutzen darf. Beide komponierten das Lied gemeinsam, und jeder beansprucht das Anrecht für sich. Dem Kämpfergeist von Olli Kahn widmete Solly „Next Time Around”, ihrer Heimatstadt München eine Großstadt-Neurosen-Hymne, in der sie sich über das verrückte, kranke System auslässt, in dem wir leben.

Doch Soli Aschkar ist ein positiver, leidenschaftlicher Mensch, der sich diebisch über The Wood Brothers freuen kann („Besser als Neil Young!“), bevor sie deren „Luckiest Man“ interpretiert, und auch vor Sheryl Crow („Redemption Day“) zieht sie ihren Hut. Abseits der üblichen Akkorde und Harmonik sind es vor allem der Blues-Ritt „I Was Just a Fool“ und „It’s Only You“, die musikalisch herausstechen. Alles eine Frage der Relation: Während „Spanish Vacation“ das Fernweh weckt, lockt auf der Gegenseite vom Kulturladen Leuchtturm das Solarium „Sonneninsel“ mit Bräune, „die es in sich hat“.