Beim SommerJazz im Nordkolleg Rendsburg erarbeiten 60 Jugendliche mit Dozenten ein Konzertprogramm

Mit Überzeugung erspielt

 


Rendsburg - Im kleinen Saal haben sich die jüngsten Teilnehmer versammelt. Der zwölfjährige Drummer Martin Lorenzen kann gerade über seine Schlagzeugbecken gucken, aber sein Beat zu Jamie Cullums Song "Twentysomething" sitzt einwandfrei. Dozent Thomas Großmann ist zufrieden. Nur von der Bassistin Laura Schallenberg erwartet er ein wenig mehr Energie: „Stell dich am besten hin!“ Einer der vielen Tricks und Kniffe beim SommerJazz im Nordkolleg Rendsburg

Zum 14. Mal wird der Ferienworkshop für Jazz und Jazzverwandtes veranstaltet. 54 Jugendliche aus allen Teilen des Landes und weitere sechs aus Dänemark erarbeiten hier in verschiedensten Formationen und unter Anleitung von erfahrenen Dozenten ein Konzertprogramm. Für die meisten ein kompetenter Einstieg in die Welt der Jazzimprovisation, für viele ein beliebter Treffpunkt, um Gleichgesinnte kennen zu lernen und Kontakte für spätere Bandkonstellationen zu knüpfen.

„40 Prozent sind Wiederholungstäter“, so Arvid Maltzahn vom Landesmusikrat Schleswig-Holstein e.V., der von einer Klanginsel zur nächsten führt, die über das Gelände verstreut liegen. Es gibt sogar einen Jazzkeller, doch der ist weder verraucht, schummrig noch verwegen, sondern neben der Heimat von Heiko Quistorfs Combo auch Lagerraum für Bodybuildinggeräte.

Jeder Dozent, unter anderem Kristiina Tuomi (Gesang), Jens Tolksdorf (Saxofon) und Sandra Hempel (Gitarre), leitet eine der Gruppen, die zu Beginn des Kurses gebildet wurden. Am dritten Probentag geht's zur Sache: Die Sängerinnen und Sänger komplettieren die Instrumentalbands. So auch Greta Schenk, 17, aus Husum, die mit Mikrofon und Verstärker in der Tür steht und die anderen Bandmitglieder begrüßt.

"Wade In The Water" von Ramsey Lewis liegt auf dem Notenständer. Nach Minuten in improvisatorischen Weiten kehrt ein Schlagzeug-Bass-Gitarre-Klavier-Quartett, darunter drei Musiker aus dem sächsischen Zwickau, zurück ins Diesseits. Lehrer Sebastian Hoffmann (Posaune) dirigiert mit den Händen, zählt „1-2-3-4“, dann setzen die Bläser ein. Anschließend probiert sich Greta: „Das mit dem Hall ist ja blöd!“ Sie dreht an den Reglern des Verstärkers, ein neuer Versuch. Ihr Gesang ist klangschön, auch die Phrasierungen, doch es hapert an der perfekten Melodie. Den Kollegen ergeht es im B-Teil nicht viel besser. Hoffmann grinst: „Da hat es sich vollständig zerfasert.“ Bis Sonntag ist noch Zeit.

Die Stimmung unter den Jugendlichen zwischen elf und 20 ist locker, gleichzeitig konzentriert. Eine Woche lang musizieren und lernen sie gemeinsam, meist auf der Grundlage von Jazzklassikern, teilweise mit eigenen Arrangements der Dozenten. Neben dem Bandtraining gibt es auch Instrumentalunterricht und Spezialveranstaltungen wie Theoriekurse, Tontechnik, Jazzchor oder Bandmanagement. Und abendlich steigt die Jamsession im Jazzkeller.

Etwas blechern wirkt der Sound im großen Saal, wo die Combos beim Abschlussfestival ihr erarbeitetes Programm präsentieren. Fehlende Akustikmasse. Die Formation unter der Leitung von Pianist Rainer Schnelle probt gerade
"Coming Home, Baby", Saxofonist Lasse Golz ist der Auserwählte für ein Solo auf a-Moll. Schnelle spielt die Blues-Pentatonik am Klavier vor. Man spürt den satten Groove, nur die Lautstärke der Bläser untereinander muss noch angeglichen werden. Des Lehrers Zwischenfazit: „Wir nähern uns der Sache.“

Auch im kleinen Saal braucht Sänger Tjark Hartwig, 17, aus Tümlauer Koog bei St.-Peter Ording, noch Zeit, um sich einzufuchsen. Großmann hat einen weiteren, sehr beachtenswerten Tipp: „Alles, was ihr spielt, ist richtig - man muss es nur mit Überzeugung spielen!“

Sonntag, 14. Uhr, Nordkolleg Rendsburg, SommerJazz-Abschlussfestival

KN-Online