Der aufsteigende Stern: Soweto Kinch

Mit 25 Jahren hat Soweto Kinch noch diese erfrischende Unbekümmertheit, wenn er über seine Zukunft als Musiker spricht. Gerade ausgezeichnet mit dem BBC Radio Jazz Award „Rising Star 2002“, lässt der Altsaxofonist aus Birmingham alles locker auf sich zukommen. „Druck? Ich habe keine Angst vor der Herausforderung. Am liebsten gehe ich raus auf die Bühne, damit die Leute mich hören. Das Album ist eine Sache, aber erst durch die Live-Erfahrungen wird sich zeigen, wohin es führt.“

Mit seinem Solodebüt „Conversations With The Unseen“ (Dune Records) im Rücken hat er auch allen Grund, optimistisch die angestrebten Pläne zu verfolgen. Es verbindet die beiden Eckpfeiler des Autodidakten - klassischen Jazz und HipHop -, ohne im Stilmix zu verschwimmen. „Es sind zwei Seiten derselben Münze. Der Song „Intermission – Split Decision“ ist charakteristisch für das gesamte Album: Ich spreche dort von zwei Frauen, die für Jazz und HipHop stehen und in Widersprüche verstrickt sind. Am Ende wird jedoch klar, dass nur von einer Person gesprochen wird. Ich liebe Jazz, aber auch HipHop. Da ich als Musiker nur eine Person bin, nehme ich diese Widersprüche bewusst in Kauf.“ So erklärt sich auch Kinch’s Vorliebe sowohl für „Phrenology“ von The Roots als auch den Stil von Sonny Rollins, Benny Carter oder Charlie Parker. Spoken Word-Partien bilden den Rahmen des Albums und geben Struktur. Innerhalb dieses Rahmens breiten sich die selbstkomponierten Bebop- und Postbop-Songs aus. Zudem sind leichte Einflüsse von Reggae und Jamaican Folk zu vernehmen - wohl Mitbringsel aus der Zusammenarbeit mit den „Jazz Jamaican All Stars“, „Nu Troop“ oder „Tomorrow’s Warriors“.

Dort entstand auch der Kontakt zu Saxofonist Courtney Pine und Bassist Gary Crosby, die beide mittlerweile als Mentoren für Kinch fungieren. Crosby ist zudem Label-Chef bei Dune. Der Titel des Albums hat für Kinch eine doppelte Bedeutung: „Er steht für das unsichtbare Publikum, das ich im Intro und Outro anspreche. Aber natürlich gibt es auch das spirituelle Level, auf dem ich mit Gott kommuniziere.“ In dem Maße, wie Soweto Kinch bereits die britische Jazz-Szene belebt hat, wird er in Zukunft noch reichlich Gelegenheit finden, vor sichtbarem Publikum zu spielen.

Henrik Drüner