Super Stimmung: Miles und Sportfreunde Stiller in der Halle400


Irgendetwas war anders an diesem Abend. Es schien, als würde sich die aufgedrehte Atmosphäre einer Klassenfahrt, einer Abitur-Feier und eines Open-Air-Festivals an einem Ort bündeln und sämtliche Beteiligten mit sich reißen.

Die "Sportfreunde Stiller" brauchten bei ihrem Konzert nur noch diese energetische Masse für ihre Zwecke zu nutzen, um mit einem deutlichen Auswärtssieg die Stadt zu verlassen. "Was ist denn mit euch los?" wunderte sich nicht nur "Sportfreunde"-Texter Peter über die johlenden Fans, die bereits vor dem ersten Takt Sprechchöre anstimmten und die La Ola-Welle durch die komplett ausverkaufte Halle400 rollen ließen.

Der Vorgruppe Miles wird es recht gewesen sein: Ihr kraftvoller Sound fand viel Zustimmung und geriet zu einem mehr als nur würdigen Einheizer. Das Quartett aus Würzburg paarte Pop-Melodien mit Drive und überzeugte vor allem durch Songs wie Menlo Park, Stranger oder Magic.

"Schade, Bayern, alles ist vorbei" – Schadenfreude gegenüber dem FCB war anschließend Trumpf bei den skandierenden Zuschauern; besonders in dem Wissen, dass Peter sehr am Heimatverein hängt und sich demnach auch als Sportsmann zeigte: "Ich gratuliere in aller Fairness dem verf{hellip}ten SV Werder Bremen!" Doch der Gitarrist und Sänger charakterisierte den Kumpel-Typ und frotzelte bei den zu erwartenden Nord-Süd-Sticheleien stets im Rahmen des Erlaubten.

Mit seinen Mitstreitern Rüde (Bass) und Flo (mit vollem Einsatz am Schlagzeug) ging es in knapp zwei Stunden durch das seit 2000 angesammelte "Sportfreunde"-Repertoire, hauptsächlich aber vom aktuellen Burli-Album: Lauth anhören, Siehst du das genauso? (der Feuerzeug-Garant!) oder Ich, Roque trafen auf Hits Marke Ein Kompliment, Wellenreiten oder Komm schon. Erstaunlich erschien dabei die hohe Quote an Songs, die sich in den letzten Jahren ins Gedächtnis – meist unbewusst oder ungewollt – gebrannt haben. Auch bemerkenswert, wo doch Peter schon auf CD Probleme mit der Intonation nicht verbergen kann, von der Live-Situation ganz zu schweigen. Aber es störte die wenigsten, denn hier ging es um den Kick für den Augenblick, um einen hoffnungsvoll sympathischen Sound bei aller rockigen Attitüde.

Mit einem Unplugged-Zugabenblock sollte die wogende, springende und schwitzende Menge gebändigt werden, doch die wollte mehr – und verbrüderte sich dem Münchener Trio schließlich Auf der guten Seite. Kiel roquet – definitiv! Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 14.05.2004 01:00

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