Stanfour im Interview

Mit Blick aufs Meer geht alles besser

Kiel – Ihre Songs klingen derart international, die Produktion derart ausgefeilt – man mag kaum glauben, dass die Stanfour-Musiker tatsächlich von der Nordseeinsel Föhr stammen. Eher denkt man an Kalifornien und die Quintessenz der letzten 30 Jahre im Mainstreamrock. Kunststück, wenn man mit Branchengrößen wie Desmond Child (u.a. Bon Jovi) zusammenarbeitet, eine Weile in Los Angeles gelebt hat und das Album in Bryan Adams’ Studio mixen ließ. Im November wurde die vierte Single In Your Arms aus dem Debütalbum Wild Life (Universal) veröffentlicht. Vor dem R.SH-Funkhauskonzert sprach Henrik Drüner mit Sänger Konstantin Rethwisch und Gitarrist Christian Lidsba im Radiozentrum Kiel.

Wie kommt man dazu in Wyk auf Föhr eine Rockkarriere zu starten?

Rethwisch: Vor vier Jahren diente ein gemeinsamer Bekannter als Schnittmenge und brachte die beiden Jungs (Gitarristen Christian Lidsba und Eike Lüchow, Anm.d.Verf.) aus dem Hamburger Umland auf die Insel, damit wir uns kennen lernen. Dann wurden Songs geschrieben, und alles entwickelte sich weiter.

Lidsba: Wir hatten Glück: Es lief zwar nicht in einem Rutsch, aber wir konnten die Sache stetig ausbauen. Am Anfang wollten wir nur Musik machen, doch diese Idee haben ziemlich viele Bands. Bei den Aufnahmen merkten wir, dass es gut klappt, also hängten uns noch mehr rein. Beim Debüt braucht man eine lange Vorlaufzeit, in der man versucht, eine gewisse Präsenz aufzubauen und sich auf Konzerten vorzustellen. Heutzutage bekommt man als Band einen Vertrag ja nicht gleich nach Bandgründung.

Dass euer Sound eher amerikanisch geprägt ist, kommt nicht von ungefähr…

Rethwisch: Das stimmt. Mein Bruder Alex und ich lebten bereits vor der Entstehung der Band viele Jahre in Los Angeles, wo wir eng mit einem Produzenten für Filmmusik zusammengearbeitet haben. Mit dem Vorteil, dass wir auf verschiedene Produzententypen im Studio trafen, was auch unser Songwriting definitiv beeinflusst hat. In unserem eigenen Studio auf Föhr sind wir daher nicht nur auf Einfluss von Außen angewiesen, sondern können im Alleingang Erfahrungen sammeln.

Vorgestern ging es für euch zur Chartshow „The Dome“. Erzählt mal!

Lidsba: Das ist ein ganz krasser Apparat, beinahe eine Parallelwelt. Mit dem Kerngedanken des Musikmachens hat es nur noch wenig gemein. Interessant: Wenn man sich Backstage umguckt, hat man das Gefühl, bei einem Wanderzirkus auf Tour zu sein. Schon grotesk! Und die Kaiser Chiefs saßen da verloren rum, weil keiner vom Team wusste, wer die waren. Der Weg, den viele Bands genommen haben, um bei „The Dome“ zu landen, ist bekanntlich sehr unterschiedlich. Für uns war es zumindest beruhigend, wieder ins heimische Studio zu kommen.


Wie kam der Kontakt zu „Popstars“-Kandidatin Jill zustande, die bei „In Your Arms“ mitsingt?

Rethwisch: Das Duett ergab sich bei der Planung der vierten Single. Wir durften uns bei „Popstars“ eine Kandidatin aussuchen (lacht). In ganz lockerer Atmosphäre haben wir den Song aufgenommen – und im Nachhinein sind wir echt beeindruckt: Jill hat eine ganz charakteristische Stimme. Aber bei den Konzerten im September war sie noch nicht dabei.

Seid ihr mit der Resonanz auf der Tour zufrieden?

Rethwisch: Vor allem in Süddeutschland war es sehr nett. Man denkt ja als Norddeutscher, man fährt ins Ausland. Aber dort gibt es viele Radiosender, die unsere Lieder spielen, und generell lieben die Leute scheinbar mehr Rock und handgemachte Musik. Und sie gehen mehr auf Konzerte. Vielleicht existiert der Mythos vom Nord-Süd-Gefälle doch!?

Lidsba: Lange Zeit zu fünft (zusätzlich noch Live-Drummer Kasper Lindgren, Anm.d.Verf.) auf engem Raum zu leben, sind wir mittlerweile gewohnt, sozusagen WG-erprobt. Man kennt also die Macken der Kollegen und weiß, wann jemand Rückzugsraum braucht. Das ist gut eingespielt…noch (lacht). Föhr ist darüber hinaus Basis und der perfekte Ort zum Runterkommen. Der Akku ist viel schneller wieder voll als in einer Großstadt. Man schaltet ab und kann wieder kreativ sein. Ein Blick aufs Meer – und alles ist wieder gut.

KN-Online