Stefanie Heinzmann im Interview

„Ich versuche, mich nicht zu verstellen“


Kiel – Stefanie Heinzmann lebt im Moment auf der Überholspur. Erst Anfang Januar hatte die 19-jährige Schweizerin das Finale von Stefan Raabs TV-Casting-Show SSDS auf ProSieben gewonnen. Der Lohn: ein Plattenvertrag bei Universal Music. Kurz danach konnten sich schon ihr Debütalbum Masterplan und die erste Single My Man Is A Mean Man in den obersten Gefilden der deutschen Charts platzieren und stehen kurz vor dem Gold-Status. Ihr Stil vereint Funk, Jazz, Soul und Pop.

Was hast du auf deinem Arm stehen?
Stefanie Heinzmann: Einen meiner Texte. Bei dem Song verwechsel' ich immer die Strophen, weil ich ihn einfach zu oft gesungen hab in letzter Zeit. Und dann komm ich manchmal raus. Aber eben bei R.SH in der Sendung lief es glatt – ich hatte ja die Hilfe. (Zum Manager und Bruder Claudio): Darf ich das überhaupt der Presse sagen, dass ich meinen Songtext vergesse? Na ja, jetzt ist es eh zu spät.

Zumindest ist von der Schüchternheit, die man dir nachsagt, nicht sehr viel zu spüren…
Doch, ich bin schüchtern. Aber ich lass' mich davon nicht abhalten. In solchen Situationen bin ich einfach ich und versuche, mich nicht zu verstellen. Aber wenn ich gerade von der Bühne komme und vor Stefan Raab stehe, dann fühl ich mich sehr unsicher. Sind ja auch Konstellationen, die ich noch nie in meinem Leben hatte! Es gibt so viele Dinge, die ich momentan lernen muss: Interviews geben, davon gleich richtig viele, und dann immer eine Kamera am Kopf. Ich lechze nicht nach Aufmerksamkeit, aber es macht auch enorm Spaß.

Wie kamst du zu SSDS?
Das war die Idee meines Bruders. Wir fuhren ziemlich spontan nach Köln. Dort sang ich mein Lied „Put Your Hands On Me“, und dann passierte eineinhalb Monate gar nichts. Bis zu einem Telefonat. Da war ich schon schockiert, überhaupt in der Sendung zu sein. Auch ganz am Schluss noch. Ich hab' ja nie ans Finale gedacht. Aber es ging immer weiter…

Hattest du vorher schon Gesangserfahrung sammeln können?
Ja, ich war in so einer Coverband namens BigFisch. Wir spielten alles, von „Biene Maja“ bis „Purple Haze“. Damals war ich 16, die anderen 30 und älter. Mein Musiklehrer war der Bassist, der mich nach meinem Schulabschluss fragte, ob ich nicht mitspielen wolle. Dann ging es durch Kneipen, Pubs und ähnliches.

Deine nächste Single „Like A Bullet” tendiert noch stärker in Richtung Motown – ein Sound, der international durch Amy Winehouse, Duffy oder Adele gerade boomt. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort?
Da hab ich echt Glück gehabt! Denn ich wurde überhaupt nicht gedrängt, in dieser Art zu singen. Man sagte mir vor der Sendung, dass ich keine Popballaden nehmen müsse, also hab ich mich auf meine Lieblingsstile Soul und Funk konzentriert. Joss Stone oder Jill Scott sind gesanglich für mich unglaubliche Vorbilder!

Wie verliefen die Aufnahmen zum Album?
Im Anschluss an das Finale ging es nach Berlin ins Studio, wo wir aus einem riesigen Songpool der drei schwedischen Produzenten auswählen konnten. Eingespielt wurden die Songs mit Studiogästen. Jetzt wird gerade die Live-Band für die Tour zusammengestellt. Das Witzige ist, dass mein Musiklehrer aus der früheren Band dabei ist, genauso meine Gesangslehrerin und meine beste Freundin. Wenn ich auf der Bühne stehe, muss ich mich wohl fühlen.

Wo siehst du dich in einem Jahr?
Du meinst, ob ich eines dieser Sternchen bin, das schnell wieder verglühen wird? Ich weiß es nicht, aber ich hoffe mal nicht. Ob mich dann noch jemand kennt, kann ich zumindest nicht sagen. Ich werde mein Bestes geben, aber ich kenne die Schnelllebigkeit der Musikindustrie und bin diesbezüglich sehr realistisch. Jetzt gehe ich erst einmal auf Tour und mach' meine Musik. Was gibt es Besseres?

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