Effektive Experimente


Das Markus Steinhauser Trio harmonierte im Luna


Vor dem ersten Takt an sah der Bühnenaufbau aus, als sollte das Konzert ausschließlich durch akkurate Bearbeitungen von Jazzstandards gekennzeichnet sein. Drei Notenständer – selbst der Schlagzeuger hatte einen Blätterstapel vor Augen – ließen Schlimmes befürchten. Doch das Markus Steinhauser Trio öffnete im Luna die Trickkiste, um sich in der klassischen Triobesetzung mehr Ausdrucksmöglichkeiten zu schaffen. Ein Effektgerät war der Schlüssel zum geteilten Glück.

Die drei studierten Musiker aus Hamburg lösten sich schnell von eingefahrenen Pfaden und Rhythmusformen. Drei Individualisten, von denen jeder Akzente zu setzen wusste, wohl auch dank des transzendenten Zusammenspiels ihrer Instrumente. Markus Steinhauser als Namensgeber am Saxofon führte Stücke wie Ocean Song von Pharoah Sanders oder das selbstkomponierte In Retrospect mit weichen Legatolinien an, jedoch keineswegs belanglos. Zu herausfordernd und mit scheinbar ungehörten Tonfolgen hielt das Saxofon die Zuhörer bei der Stange, unterlegt vom warmen Klang des Kontrabasses (Oliver Karstens) und den unglaublich zahlreichen Rhythmusfacetten von Schlagzeuger Wolff Reichert. Wie schon vor vier Wochen an gleicher Stelle hatte er zu keinem Zeitpunkt nur reine Begleitfunktion. Vielmehr schmückte Reichert sein Spiel erneut mit solistischen Fill-Ins, dem Gespür für feine Nuancen und bühnenreifer Mimik.

Das Effektgerät kam erstmals bei Eddie Harris' Listen Here zum Einsatz: Ein verschwommenes Echo verfremdete das Saxofon und die bekannte Melodie, als beeinflusse eine fremde Macht die Kurvenverläufe der gurgelnden Töne. Eine frische Note im Gesamtsound, perfektioniert bei Hyperballad von Björk. Die Isländerin hätte sicher ihre helle Freude daran gehabt, ihren Song im schwebenden Klangbild eines Jazz-Trios mit gestrichenem Bass und Shuffle-Drums wiederzuerkennen. Auch das Publikum – ansonsten unverständlich reserviert – honorierte das gewagte Experiment.

An anderer Stelle war der Effekteinsatz eher unglücklich, dann nämlich, wenn die feine Struktur des Trios durch den diffusen Charakter vernebelt wurde. Steinhauser merkte es auch, schaltete den kleinen Helfer aus und besann sich auf analoge Wiedergabe. Der verträumte, bittersüße Latin-Song Sleeping Beauty, Big Foot (Paul Bley) als dreckiger Groover oder Giant Steps von John Coltrane verdeutlichte eindrucksvoll die Klasse jedes Einzelnen.

Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 07.02.2003