Stereo MC’s

 

Sie brachten britischen HipHop über den großen Teich und auf die globale Charts-Landkarte. Das Londoner Duo Rob Birch und Nick „The Head“ Hallam feilt seit dem Album und gleichnamigen Hit „Connected“ zu Beginn der 90er Jahre an dem perfekten Breakbeat-Funk-Song – wobei die Stereo MC’s von sturem Genredenken immer meilenweit entfernt waren. 1985 in London gegründet, gehören zur aktuellen Stammbesetzung noch Schlagzeuger Owen If sowie die Sängerinnen Cath Coffey und Rachel Birch, Robs Ehefrau. Die Soundkoordinaten des sechsten Studioalbums „Double Bubble“ (PIAS/Rough Trade) orientieren sich an vergangenen Veröffentlichungen, doch mit einer Mischung aus Routine und Experimentierfreude zündeln die neuen Songs unnachahmlich an der Tanzfläche. Brandbeschleuniger sind dabei pumpende Rhythmen, soulig schmeichelnde Hooks und trocken melodiöse Raps.


Nick Hallam über…

…Status quo nach zwei Jahrzehnten im Business:

Das ist schon verrückt, aber es fühlt sich gar nicht nach 20 Jahren an. Ein wichtiger Einfluss ist die Musikindustrie an sich, also das Spiel mit den Plattenfirmen, Verkaufszahlen und die Unterstützung bei der Promotion. Das Album „Deep Down & Dirty” (2001) verkaufte sich nicht so gut - da hatten wir beinahe das Gefühl, zu alt und am Ende der Fahnenstange angelangt zu sein. Vorher konnten wir alles bestimmen: welches Album, welche Songs, welche Singles. Das änderte sich anschließend und machte uns auch etwas nervös. Schließlich finanziert die Musik deinen Lebensunterhalt. Aber jetzt sind wir wieder aufgeregt, im Studio arbeiten zu können. Es rollt wieder.

…den Drang zur Tanzfläche:

Im Grunde gingen die Tracks schon immer in diese Richtung, aber diesmal haben wir den Kreis noch enger gezogen. „Double Bubble“ ist beinahe ein Club-Album geworden, bei dem wir uns gezielt auf unsere elektronische Seite konzentriert haben. Das ergab sich so in der Entstehung, auch bedingt durch die 'London Beats’ der letzten Jahre mit HipHop- und frühen House-Elementen. Diese ganzen Grime-Acts höre ich sehr gerne im Radio beim Autofahren. Insofern spielt London als Inspirationsquelle auch eine große Rolle.

…verbesserten Zugang zu Musik:

Es gibt momentan so wahnsinnig viele Möglichkeiten, neue Musik kennen zu lernen, vor allem durch die Blogs und freie Downloads. Diese Sachen aus Frankreich, aber auch Boys Noize aus Berlin oder Sirius Mo vom selben Label. Über MySpace bekamen wir schon vor Jahren Kontakt zu MC Gringo und seinen brasilianischen Funk-Tracks. Mit ihm sind wir seitdem befreundet. Ende der Achtziger gab es bei mir nur HipHop und alte Funk/Soul-Platten, mittlerweile ist alles wesentlich verzweigter und vielfältiger.

…das Bandgefüge bei Stereo MC’s:

Im Grunde schreiben immer noch Rob und ich die Songs im Team. Aber mit Owen und Cath sind zwei dabei, die beinahe schon von Anfang an zur Band gehören. Ich glaube auch, dass die Gesangskombination von Cath und Rachel die Beste in unserer Bandhistorie ist. Das wertet auch die europaweiten Live-Auftritte auf, die wir in diesem Sommer spielen werden. Zudem streuen wir neben den Konzerten noch kleinere Gigs ein, indem wir Rob bei seinen DJ-Sets in kleineren Clubs unterstützen. Das fühlt sich dann beinahe an wie 1985.

…die Fußball-EM ohne englische Beteiligung:

Ich mag ManU und Arsenal, guck die Spiele jede Woche. Aber das englische Team ist absoluter Dreck! Die wollen immer noch David Beckham zurück in die Mannschaft holen – ich meine: Haben die sonst keine Sorgen? Bei ihm geht es doch gar nicht mehr um Fußball. Wenn er für England spielt, verfällt er immer in so einen sonderbaren Zustand.

…Alpträume im Song „Pictures”:

Rob hat den Text („I’ve seen faces I shouldn’t have seen, I’ve been places I shouldn’t have been”) geschrieben, aber ich schätze, es geht dabei um Situationen, in die man plötzlich hineingerät und die dein weiteres Leben beeinflussen. Auch bei mir passierten in den letzten Monaten einige sehr unschöne Dinge: Ein Mann versuchte mich abzustechen, direkt auf der Treppe vor meiner Haustür. Jemand anderes übernahm meine Identität und lief mit meinem Pass, aber einem fremden Foto durch die Gegend und plünderte mein Konto. Verdammte moderne Welt! Man muss echt stark sein, um das alles durchzustehen. Dabei möchte man doch eigentlich nur Musik machen?!