Szenen eines Bobdienstes


The Church Of The SubGenius verwirrte in der Tanzdiele


Das Geheimnis eines Agitators ist, sich so dumm zu machen, wie seine Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er. Inwieweit die Mitglieder der Church Of The SubGenius dieses Zitat in die Tat umsetzen wollten, sei dahingestellt. Zumindest bot der Abend in der Tanzdiele einen wahrlich horizonterweiternden Einblick in die geheimnisvolle Welt der Gehirnwäsche.

Die Videovorstellung der sektenähnlichen Gemeinschaft aus Amerika bot animierte Durchgeknalltheit par excellence: Ein Mix aus Zeichentrick im Monty Python-Stil, verfremdeten Filmszenen und eintönigem Dokumentarsprecher prasselten auf den unvorbereiteten Zuschauer mit der Geschwindigkeit eines MTV-Spots ein. Im Mittelpunkt stand dabei der Guru, J.R. "Bob" Dobbs, dessen aalglattes Konterfei - stets mit Pfeife im Mund - den Bühnenhintergrund und auch sämtliche Wände zierte. Den musikalischen Part leitete Little Fyodor ein, der auf seiner Gitarre wenige, ausgesuchte Akkorde schrammelte und mit trauriger Stimme das Leid besang, warum niemand mit ihm spielen wolle. Ebenso wichtig schien ihm jedoch das Schneiden von verschrobenen Grimassen zu sein, die den ohnehin sonderbaren Auftritt perfektionierten.

Nach King Leah, die hübsch verkleidet zum schrägen Akkordeon sang, beschwor Pope David Lee Black die anwesende Gemeinde mit enthusiastischen "Praise Bob!"-Bekundungen. Es sei schließlich ein Bobsdienst, kein Gottesdienst. Derart im Glauben gefestigt, hatte der Duke Of Uke leichtes Spiel, das Publikum vollends zu verwirren. Mit schmächtiger Ukulele und sonorer Stimme coverte er sich durch die vergangenen Jahrzehnte, von den Sex Pistols über Kraftwerk bis zu David Bowie. Am Ende dieses propagandistischen Events blieben viele offene Fragen, auf die es wohl nur eine gültige Antwort geben kann: Bob. Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 30.03.2001