Die finnische Band Sunrise Avenue will mit „Popgasm“ an den Erfolg des Debütalbums anknüpfen

„Kategorisierung ist langweilig“


Kiel - Kurz Gitarren gestimmt und Raucherlunge frei gehustet, dann sind Sänger Samu Haber und Gitarrist Riku Rajamaa bereit für die tadellose Aufnahme zweier Unplugged-Songs, die R.SH im Radiozentrum Kiel mitschneidet. Die zwei Vertreter von Sunrise Avenue - es fehlen Bassist Raul Ruutu und Schlagzeuger Sami Osala - wollen mit ihrem frischen, zweiten Album „Popgasm“ (EMI) beweisen, dass „Fairytale Gone Bad“ vom Platin-Debüt „On The Way To Wonderland“ keine Eintagsfliege war.

Samu, sind das Einmal-Tattoos auf deinem Ober- und Unterarm mit den Songtiteln „Forever Yours“ und „Choose To Be Me“?

Hey, ich bin 33 - da mach' ich mir keine Fake-Tattoos mehr! Ich hatte eine Freundin, wir waren verlobt, wollten heiraten, ich ließ mir die Sprüche tätowieren und dann ist alles in die Brüche gegangen. Meine Moral von der Geschichte: Niemals mehr Tattoos machen lassen, die etwas mit Beziehungen zu tun haben. Tabu ist vor allem der Name der Partnerin. Zumindest habe ich Songs draus machen können.

Du scheinst eh der Herzensbrecher in der Band zu sein, geht man von den Gästebucheinträgen bei MySpace aus...

Nein. Ich bin ein hoch entwickeltes Produkt der EMI Music Company (lacht). Ob es funktioniert? Ich weiß es nicht. Dieses Groupie-Ding nutze ich nicht aus. Das sollte ohnehin niemand. Wenn ein 18-jähriges Mädchen einen Song richtig toll findet, dann liebt sie nicht den Sänger als Person, sondern die Stimme eines Sängers einer Band - und im Grunde alle Musiker dieser Band (zeigt auf das aktuelle CD-Cover).

Wie fühlt es sich an, einen „Popgasm“ zu bekommen?

Ich hatte vor kurzem einen, als ich einen Song vom iPod hörte. Es ist dieses ganz besondere Gänsehaut-Gefühl. Das kann beim ersten Hören oder nach einer Weile entstehen; auch bei einem Konzert oder während eines Films. Der Titel sollte zumindest nichts Anzügliches, sondern eher ein witziges Wortspiel sein.

Was war eure Herangehensweise nach einem derart erfolgreichen Album?

Ein wichtiges Motto beim Songwriting: Kategorisierung ist langweilig, scheiß auf Genres - wir machen Musik! Bei den Aufnahmen ging es mir persönlich darum, meine Songtexte zu verbessern, im Sinne von: vereinfachen. Jeder muss meine Aussage verstehen können. Und als Band wollten wir versuchen, die Schere zwischen den Emotionen zu realisieren, zwischen traurigem Rock und leichtem Pop. Die rund 350 Shows im Anschluss an die erste CD haben uns ohnehin gezeigt, wie es weitergehen soll.

Existiert ein Bandnetzwerk in Finnland beziehungsweise in eurer Heimatstadt Helsinki?

Es gibt sicherlich einige Bands, die es außerhalb des Landes schaffen wollen - und teils auch schaffen. Da entsteht schnell Neid. Generell hängen wir nicht mit anderen Musikern in Helsinki rum. Von den Bands, die einen Vertrag haben, macht jede ihren Kram, forciert ihre Karriere. Wenn man Nightwish am Flughafen trifft, trinkt man einen Kaffee zusammen, aber wenn ich morgen wieder nach Hause komme, möchte ich mit meiner Mutter Kaffee trinken, Wäsche waschen und ganz normale Leute um mich haben. Nicht The Rasmus. Deren Drummer möchte mir noch den Arsch versohlen, aber das soll er mal versuchen...

KN-Online