Superpunk in der Hansa 48


Kiel – Die Chance ließ sich Bernd Begemann nicht entgehen. Als alter und neuer Fan von Superpunk verfasste er die Presse-Info des aktuellen Albums "Why Not?". Ja, warum eigentlich nicht? Auch er ist einer, der seit Jahren auf eine eingeschworene Anhängerschaft bauen kann, ohne jedoch den endgültigen kommerziellen Durchbruch geschafft zu haben. Mit dem Tourauftakt in der Kieler Hansa 48 startet die Hamburg-Münchner Band am morgigen Donnerstag einen weiteren Anlauf.

Begemann sieht in seiner Superpunk-Laudatio die frischen Songs „im Spannungsfeld zwischen Selbstzerfleischung und Stolz, zwischen Resignation und Tatkraft“. Die vierte Veröffentlichung, die erste beim Hamburger Tapete-Label, schwingt so locker und subtil wie selten zuvor. Dabei zielen die Songtitel "Baby, ich bin zu alt", "Ich funktioniere nicht mehr" oder "Oh, alter Punk" eher auf ein Altern in Würde. Doch es ist eine zelebrierte Niederlage, gepaart mit verdammt viel Selbstironie statt Selbstmitleid. „Auf der Bühne leben wir noch Rock'n'Roll, ansonsten dominiert eher alkoholfreies Bier“, erzählt Carsten Friedrichs, Sänger und Gitarrist. Den Tagesablauf auf Tour sieht er erstaunlich nüchtern: „Morgens in den Bus steigen, zum Job fahren, aufbauen und spielen. Wir halten nicht an den immergleichen Raststätten für Gulaschsuppen-Rituale – dafür bin ich auch nicht abergläubisch genug.“

Sein Talent, die Popgeschichte als Archiv auszulegen, das es möglichst unverfroren zu plündern gilt, erlebt auf "Why Not?" seinen kreativen Höhepunkt. Northern Soul und Rabauken-Pop stellen die Stützen des Sounds dar, auf die Friedrichs seine ungehobelte Stimme streut. „Jeder Mensch kann etwas besonders gut, ich eben besonders gut Nichtsingen. Das hat man über Hildegard Knef auch schon gesagt. Es gleicht dem Dilettantentum beim Punk: Man muss etwas zu sagen haben. Und Spaß dabei haben.“

Die Texte drehen sich nicht mehr um Weltverbesserung oder Uni-Seminar-Weisheiten, sondern gleichen liebevollen Tresenthemen mit autobiographischen Zügen. Man müsse nur aufpassen, aus dem Berg an Textmüll den einen Prozent Goldstaub herauszufischen, so der Songschreiber. Superpunk gelten als eine der wenigen deutschsprachigen Bands, die Wert auf 60er-Soul legen. „Vielleicht ist das auch schon zu lange her. Als Nirvana aufkamen, hat das eben mehr Leute interessiert und beeinflusst als beispielsweise Otis Redding oder The Kinks. Insofern ist Amy Winehouse mit ihrem Retro-Sound wirklich ein Phänomen.“

Ein Faible pflegen die Superpunker für Städte, abzulesen an Songs wie "New York, USA" aus der Feder von Serge Gainsbourg, "Hamburg ist der Platz für dich" oder "Parties in München". Friedrichs bestätigt den Verdacht: „Erst gestern hab ich mir eine 10-CD-Box gekauft mit Songtiteln über Städte in verschiedenen US-Staaten. Find' ich irgendwie gut.“

Quelle im Internet: http://www.kn-online.de/artikel/2312579