Swim überzeugen im Prinz Willy mit erstklassigem Songwriting

 

Kiel – Am folgenden Nachmittag sind Swim für ein knackiges 35-Minuten-Set beim CSD gebucht. Dann spielen sie „mit Verstärkerwand und richtig Wumms“, Gitarrist Huddle Schwab plant obendrein, ein rosa Unterhöschen zu tragen. Das Konzert im Prinz Willy am Vorabend bildet zwangsläufig den beschaulicheren Auftakt des Kieler Doppeltermins. Umso deutlicher kommt in diesem intimen Rahmen die Qualität des Songwritings zur Geltung.

Schon nach den ersten beiden Liedern, „I Stand Lonely“ und „Give Me Time And Space“, ist man fassungslos. Über die Songs, die Musiker und den Auftritt von Sängerin Carmen Hofacker. Mit lasziven Gesten becirct die Wahlberlinerin das spärlich anwesende Publikum, zieht ihre ganz private Bühnenshow ab und intoniert dabei so makellos, als stünde sie just im Tonstudio. Wahlberlinerin vor allem deshalb, weil einem Stings Textzeile „You can hear it in my accent when I talk, I’m an English man in New York“ in den Sinn kommt, wenn Hofacker zwischen den Songs ihre fränkischen Wurzeln nicht verbergen kann.

Zur Begleitung von Akustikgitarre und Cajon (Percussionist Severin „Save“ Schlieffen) gleiten Carmen Hofacker und Huddle Schwab zweistimmig durch ihr unbeschwertes RockPop-Programm, das sich zu Teilen aus dem aktuellen Album „snusnu“ und neuen Songs von der kommenden CD speist. Dazwischen streuen sie Fremdmaterial von Abba („Dancing Queen“) und Macy Gray („When I See You“), suhlen sich in eingängigen Melodien und dem rhythmischen Harmoniegerüst der Gitarre. Schwab trägt Bud-Spencer-Shirt und Fliegerbrille, Hofacker die Songs mit ihrer kräftigen und variablen Stimme im Stile von 4-Non-Blondes-Frontfrau Linda Perry.

In den Balladen über allgemeines Gefühlstohuwabohu, „Internal Chaos“ und „Lonely Day“ am Prinz-Willy-Klavier, klingt sie geradezu prädestiniert für Besinnliches, lässt aber an anderer Stelle genauso gerne einen beherzten Urschrei los. Auch Schwab lebt diesen Kontrast aus, indem er feinsinnig Akkorde zerlegen kann, aber am Ende eines Songs wiederholt zum finalen Sprung vom Stuhl ansetzt, als sei es die Center Stage bei Rock am Ring. Bassist Tobias Kabiersch erweitert das Trio, das eigentlich ein Duo ist, kongenial zum Quartett. Angesichts dieses Wohlklangs räumt selbst der Nachbar, der sich entweder über Lärm, Leidenschaft oder Leben beschweren möchte und in Schlafmontur durch die Scheibe späht, alsbald das Feld.

Im zweiten Abschnitt geht zwischenzeitlich die Contenance auf der Bühne flöten, dafür erhöht sich die Freistilquote und das lockere Miteinander. Im einzigen deutschsprachigen Lied fordern Swim „Steh auf“ und machen bei „Two Faces“ und der selbst ernannten Band-Hymne „Learn How To Swim“ Lust auf das im September erscheinende Album. Wenn auch die Zuschauerzahl einstellig bleibt – die Zahl der an diesem Abend verkauften CDs spricht eindeutig für die Qualität von Swim.

KN-Online