Taste Of Blue: Rhythmischer Vertrauensbeweis im Groove-Kosmos

Kiel – In diesen Tagen ist es ein guter Rat, sich nicht auf den Dollar oder generell materielle Werte zu verlassen. Börsencrash? Finanzkrise? War da was? Ausgerechnet am Schwarzen Freitag zelebrieren Taste Of Blue im Edgar's die Releaseparty zu ihrer neuen CD "C(ool) D(own)". Dabei haben es die beiden Protagonisten Stephan Dettmers und Björn Lüdke schon beim ersten Album gewusst. "In Groove We Trust" lautete damals der Titel – eine Devise, die bis heute nachwirkt.

Statt der Prägung „In God We Trust“ auf der amerikanischen Münze bevorzugen Taste Of Blue den globalen, musikalisch-rhythmischen Vertrauensbeweis. Denn der ist langlebiger, im Grunde krisensicher. Das Kieler Jazz-Duo avanciert diesbezüglich zu einer absolut zuverlässigen Konstante, die immer größere Kreise zieht. So kommt die Ouzo-Flasche, die am Eingang zur Begrüßung ausgeschenkt wird, gar nicht erst zur Ruhe. Vor dem Konzert bietet Stephan Dettmers außerdem Einzel- und Gruppenführungen an, um Neugierigen sein neues Riesenbaby vorzustellen: die Hammond B3, eine monströse Orgel mit 60 Kilogramm Kampfgewicht.

Im mehrteiligen Programm hangeln sich Taste Of Blue durch ihre bisherigen Veröffentlichungen. Drummer Björn Lüdtke trommelt erfrischend mühelos, frappierend effizient und ungemein, nun ja, groovy. Ihm zur Seite rollt der satte, bauchige Orgelklang durch das Edgar's, facettenreich changierend zwischen Schmatzen, Quengeln, Tupfen, Gurgeln, Wabern und sogar Gellen. Die Registerprobleme, die Dettmers zu Beginn anspricht, verleiden keineswegs den runden Gesamtsound und geben bei einigen Songs der Zweitorgel Gelegenheit zur Spielzeit.

Beinahe obligatorisch bei Konzerten des Duos scheint die lange Liste an versierten Gastmusikern. So füllt sich nach und nach der Bühnenraum: im Trio mit dem Flensburger Gitarristen Matthias Schmidt, im Quartett mit dem Saxofonisten Jens Tolksdorf, erweitert zum Quintett dank Lake-Posaunist Gerd Beliaeff aus Husum. Zu späterer Stunde folgen noch Percussionist Sönke „Soeny“ Liethmann und Sängerin Nini Uebel, die das Instrumental-Konzert mit einer weiteren "Sunny"-Variation und Scat-Ansätzen bei "Night In The City" auflockert.

Aus dieser illustren Runde ist vor allem Schmidt hervorzuheben, der es versteht, jedem Song eine charakteristische Note zu verleihen. Saiten-Echos vernebeln den Fusion-Jazz bei "Sky Train", "Kinshasa" setzt eine Kontrastmarke als ruhige, mit Afro-Rhythmen unterlegte Ballade, bei "After Show" lärmen die Musiker wie enthemmt. Nicht von ungefähr heißt ein Lied auf der aktuellen CD "Wilde Sau" – die Schweineorgel vermag seinem Namen durchaus alle Ehre zu machen. Nach Mitternacht nimmt der Zuschauerzuspruch etwas ab, doch Dettmers' Ansage lautete: „Das geht heute bis 3 Uhr!“ Man mag es glauben. Denn in ihrem Groove-Kosmos gilt: Krise? Welche Krise?

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