Am Ende war das Grinsen

Taylor Savvy fuhr in der Schaubude sämtliche Erwartungen an die Wand

 

Viele Spekulationen kursierten im Vorfeld des Konzerts von Taylor Savvy. Wie würde der in Berlin lebende Kanadier sein aktuelles Album auf die Bühne bringen? "Dance and Romance" waren die Schlagworte, die man dem Hörer mit auf den Weg gab. Dass die erste halbe Stunde in der Schaubude einer Rockabilly-Veranstaltung ähnelte, gehörte definitiv zu den unwahrscheinlicheren Varianten. Nach verzögertem Beginn fuhren Savvy und Gastmusiker Chris Apanbeat mit einer gnadenlosen Show alle Erwartungen an die Wand.

Statt Tanzstoff dominierten Rock'n Roll-Rhythmen und Blues-Abenteuer mit ungewissem Ausgang. In ohrenbetäubender Lautstärke übertönte besonders das Schlagzeug des exzentrischen Apanbeat das krude Spiel von Gitarre und Gesang. Instrumentenwechsel gingen ganz flott, eine Kindergitarre kam zum Einsatz, wildes Geschrei im Refrain.

Plötzlich ein abrupter Schnitt. Während saftige Beats aus der Konserve einsetzten, wurde das Schlagzeug abgebaut und Savvy verschwand hinter einem Paravent. Adrett mit Anzug und Krawatte ging es allein an den zweiten Teil, der sich nun den Songs von Ladies & Gentleman widmete. Das Prinzip der Minimalkompositionen: Elektronischer Pop mit einem prägnanten Slogan als Text, der gebetsmühlenartig wiederholt wird und sich immer stärker ins Gehör gräbt. Mit einem Augenzwinkern erzählte Savvy: "Me and my daddy share the same dream still being in school – but it's a nightmare."

Die legendäre Luftgitarre am Mikroständer fehlte ebenfalls nicht im Repertoire. Ziemlich verrückt, aber großes Entertainment! Bei I wanna be your man durften männliche Zuschauer einer anwesenden Dame singend den Hof machen und anschließend gemeinsam Everybody party skandieren. Nach dem verwirrenden Beginn waren überall grinsende Gesichter zu sehen. So war eines sicherlich erreicht worden: Maximum pleasure.


Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 21.06.2002