Wortwitziges Spiel mit der Muttersprache


Das gereimte Stakkato der HipHop-Gruppe Teamsport verpuffte im Tucholsky

Beim Fußball kann er eine wichtige Rolle spielen, der ominöse zwölfte Mann. Wenn die euphorisierte Menge die eigene Elf nach vorne peitscht, werden oft auf der Kippe stehende Matches entschieden. Was das mit einem Konzert zu tun hat? Das gleiche Paar Schuhe, nur in einem anderen Stadion. Teamsport aus Hamburg hätten diesen zwölften – in ihrem Fall vierten – Mann im Tucholsky benötigt, um aus einer Durchschnitts-Partie als verdienter Sieger hervorzugehen.

Doch das Kieler Publikum verweigerte die Unterstützung. Schon bei den DJ-Sets von Stöcker Stereo und Sir-O als musikalische Aufwärmer bot sich ein Bild gemäß dem "Kenn-ich-nicht, mag-ich-nicht"-Motto: Bei Chartsstürmern wie Justin Timberlake und 50 Cent alle rauf auf die Tanzfläche, bei unbekannteren Songs mit rhythmischen Feinheiten ebenso schnell wieder runter! Gegen 23.30 dann erste Töne aus den Mikros der Doppelspitze Bruder Garl und S-Mode, während im Hintergrund DJ Franky Nutz das Beatfutter bereitstellte. Die beiden MC's lieben das Spiel mit der Muttersprache und zeigten dies durch wortwitzige Texte ohne die HipHop-übliche Selbstbeweihräucherung. Vieles ging im Soundgewirr unter, doch Fotoalbum oder Germania Intercontinental von der aktuellen Debüt-EP zeugten von Themen jenseits des eigenen Bauchnabels.

Nach drei Jahren in dieser Besetzung waren die MC's perfekt aufeinander eingestellt, stimmten die oft synchron rausgefeuerten Reim-Salven, das Kreuzen auf der Bühne, während Franky Nutz das "schwarze Rund" fleißig kreisen ließ. "Seid ihr da draußen im Startloch?" – spärliche Hände wippten rhythmisch in der Luft, bald gingen auch die runter und strauchelten vor dem Ziel. So versuchte sich zwischenzeitlich nur noch ein Unermüdlicher vor der Bühne, bevor auch Teamsport klar wurde, dass an diesem Abend nicht mehr zu holen war. Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 11.06.2003