Prinzipiell politisch unkorrekt: Die Terrorgruppe agitiert in der Pumpe

Weihnachtlich geschmückt: Die Terrorgruppe aus Berlin-Kreuzberg mag es aber eher weniger besinnlich. Schon der Bandname Terrorgruppe lässt bei den meisten Menschen die Alarmglocken schrillen, und spätestens seit dem 11. September 2001 entspricht er wohl dem exakten Gegenteil von "politisch korrekt". Wenn dann das Cover der aktuellen CD Fundamental leichtbekleidete Damen im Militär-Look zeigt, scheint die Grenze des guten Geschmacks überschritten.

Doch genau dieses Ziel verfolgen die Verantwortlichen seit zehn Jahren und sieben Langspielplatten. Von Berlin-Kreuzberg ziehen Archi "MC Motherfucker" Alert (Gitarre, Gesang), Johnny Bottrop (Gitarre), Slash Vicious (Bass) und Steve "Maschine" West (Schlagzeug) aus, um als selbsternannte Aggropopper der Welt die hohe Kunst der Provokation zu lehren. Da kriegen sowohl Angela Merkel als auch TV-Richterin Barbara Salesch in den Texten eins aufs Dach, genau so wie die Kirche, Trendmagazine und GTI-Fahrer.

Die Presse-Info nennt es "ein buntes Potpourri aus schlechten Nachrichtensendungen und Fernsehshows, schlechtem Geschmack, finsteren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Verbrechen, seltsamen Begebenheiten und menschlichen Fehlleistungen". Unbekümmert, respektlos und bewusst naiv werden alle wichtigen Bereiche von Politik, Sex oder Religion einer fundierten Analyse unterzogen. Amüsiert legt die Band ihre Finger in die bundesdeutschen Wunden – ironisch, zynisch, manchmal auch mit praktischen Anleitungen zur Rebellion: "Wir wollen alle Halbwüchsigen gegen Eltern, Staat, Kirche und Gesellschaft aufhetzen", bekennen die Berliner freimütig.

Musikalisch bewegt sich die Terrorgruppe zwischen den Toten Hosen und Slime, Ramones und B-52's, angereichert mit s Reggae, Ska und Pogo. Produziert wurde Fundamental von Andi Jung, der bereits für The Strangemen, Bates, Goldene Zitronen und Scumbucket an den Reglern stand. Löblich: Besonders auf der Bühne schafft es die Terrorgruppe, eine durchweg gute Laune zu vermitteln, ohne dabei bierernst oder gar aggressiv zu wirken. Henrik Drüner


Morgen, 20 Uhr, Pumpe (mit New Wave Hookers, The Creetins)


Aus den Kieler Nachrichten vom 04.12.2003