The BossHoss spielen in der Sparkassen-Arena

Emanzipiert vom Cover-Konzept

Kiel - Anfangs waren The BossHoss nicht viel mehr als eine Cover-Band, die Hits in Country-Arrangements hüllte. Eine amüsante Kostüm-Show und Western-Parodie samt Cowboyhüten, Feinripp-Unterhemden und Siegelringen. Doch mittlerweile emanzipierten sich die Musiker um Frontmann und Sänger Alec "Boss Burns" Völkel von den Geistern, die sie riefen. Was mit genial simplen Coversongs begann, ist heute selbst ein Original.

"Als Musiker will man weiterkommen", wiederholt Kontrabassist André Neumann aka Guss Brooks drei-, viermal im Gespräch so eine Art Leitsatz der siebenköpfigen Berliner Formation. Weiterkommen bedeutet in ihrem Fall Fortschritt und vor allem künstlerische Reifung. Ein erster Schritt: Eigenkompositionen. Denn die Halbwertszeit der Idee, Charthits wie "Without Me" (Eminem), "Toxic" (Britney Spears) oder "Hey Ya!" (Outkast) als schnell gespielten Bonanza-Beat rauszuhauen, schien berechtigterweise begrenzt - obwohl die selbst ernannten Südstaatler dabei alle gängigen Westernklischees erfüllten.

Ihre Konzerte sind keine Gigs im klassischen Sinne, eher enthusiastische Rock'n'Roll-Happenings mit einer ganz eigenen Dynamik und Magie. In einer Art Wild-West-Varieté schaffen sie Saloon- und Prärie-Atmosphäre. The BossHoss sind für die Fans nicht nur eine Band, die Jungs verkörpern ein Lebensgefühl. Sie selbst nennen ihren Stil "Trashcountry Punkrock", ohne wahrscheinlich genau zu wissen, wie das konkret klingen soll.

Zumindest wurde die musikalische Umsetzung für die laufende "Shake&Shout"-Tour ein wenig feinjustiert: "Unser Album 'Stallion Batallion' ist nicht mehr nagelneu, also haben wir uns etwas Neues ausgedacht", so André Neumann. "Wir spielen ein Best-of-Programm der bisherigen drei Alben, aber auch wenig gespielte Songs oder solche, die hinten runter gefallen sind und bislang noch gar nicht im Live-Repertoire waren. Ein Drittel kommt aus dieser Schublade - das überrascht auch die Zuschauer." Der Titel der Tournee stammt von einem Song aus dem jüngsten Album und steht repräsentativ für The BossHoss. Bei diesem Stück hockt sich das Publikum hin, bis auf Kommando ein Moshpit entfacht wird. Neumann: "Ein Riesenspaß!"

Ungleich aufwendiger gestaltet sich "Low Voltage", ein spezielles Unplugged-Konzert innerhalb der Tour, bei dem auch Bläser und Streicher zum Einsatz kommen. "Das ist auch laut und geht nach vorne. Aber die neuen Arrangements erlauben und erfordern eine ganz andere Herangehensweise, zum Beispiel bei Sugarman von David Holmes."

Bevor das vierte Album im Frühsommer 2009 erscheinen soll, wagen die Country-Rock'n'Roller zum zweiten Mal den Sprung über den Ärmelkanal. England und Irland stehen dann auf dem Tourplan. Mit den entsprechend veränderten Bedingungen: "Da ist ein ganz anderes Pflaster. Die Clubs sind kleiner für uns, da braucht man ein anderes Besteck. Es erinnerte uns an die Anfänge in Deutschland mit durchschnittlich 150 Zuschauern. Aber wir wollen die UK-Pläne weiter ausbauen, wurden bereits für eine TV-Show gebucht. In den Clubs herrschen raue Sitten, in manchen möchtest du nicht an der Wand lehnen. Aber definitiv eine geile Sache! Mit den Brüdern kann man auch gut feiern...". Und das war den sieben Cowboys aus Berlin schon immer wichtig.

KN-Online