The Ford Broncos rockten in der Schaubude

Country im Geschwindigkeitsrausch

 

Kiel – Das hätte Jerry Reed gefallen. Ausgesprochen gut gefallen. Der kürzlich verstorbene Sänger und Schauspieler, bekannt als „The Guitar Man“ der Countrymusik, hätte wohl eine seiner wechselnden Kopfbedeckungen in die Luft geworfen und „Howdy!“ gejohlt angesichts der fulminanten Ford-Broncos-Version von „East Bound and Down”. In der rappelvollen Schaubude lotete die Kieler Stomp’n’Roll-Band ihre stilistische Bandbreite beim obligatorischen Weihnachtskonzert aus.

Es ist ihre Erkennungsmelodie, sozusagen der Identifikation stiftende 'Theme' und das beste Schnurrbartträgerlied der Welt: „East Bound and Down”, ostwärts und runter – 1977 die Fahrtrichtung von Burt Reynolds und Jerry Reed in „Smokey and the Bandit“ beziehungsweise dem deutschen Filmtitel „Ein ausgekochtes Schlitzohr“. Bei den Ford Broncos geht es eher der Nase nach, und das meist mit Vollgas. Eben Speedcountry.

Ihre musikalischen Wurzeln im Country/Bluegrass sind dank Butch Quattros Banjo, Timo Broncos Slide-Gitarre und Kay Broncos Mundorgel noch deutlich auszumachen, doch der Gesamtsound im Repertoire ist rockiger und stringenter geworden. Ein Song wie „Burn in Hell“, der ebenso gut ins Programm von The Hives passen würde, steht beispielhaft für diesen neuen Einschlag. Ausschlaggebend dabei die Erweiterung des Schlagzeugs, das – ausgehend von einer kargen Snare Drum – mittlerweile zu einem veritablen Drum-Set angewachsen ist. Ole The Swede treibt jetzt mit Bassdrum und Becken die Songs nach vorne. Und sitzen darf er auch.

Bis zu vierstimmiger Lobgesang brandet bei „Hallelujah“ durch die Bude, angeführt von Bruno T Ford. Bei ihm scheint es jedes Mal, als könne er mühelos seinen Kiefer aushaken, um das Mikro gierig zu verschlingen. Eine nicht nur mimische Leidenschaft, die ansteckend wirkt. Die Ford Broncos nennen es den „Ramones-Effekt“, wenn sie denselben Knopf immer und immer wieder drücken, und am Ende tanzt die ganze Schaubude im Freistil zu „Hope That You’re There“, „So In Love“ oder Muddy Waters’ „Rollin’ and Tumblin’”.

Dass das Songwriting der Band nicht nur simpel und effektiv, sondern auch musikalisch höchsten Ansprüchen genügt, ist der stupenden Gitarrenarbeit von Timo Bronco zu verdanken. In irrsinnigem Tempo zieht er den Twang aus den Saiten, bedient sich dabei an Elementen aus Cajun, Dirt Blues oder Rock’n’Roll – und schafft es nebenbei sogar noch, mitsamt dem Instrument durchs Publikum zu pilgern. So bleibt für Mario Bronco zumindest Zeit, im Schatten seines riesigen Kontrabasses zu rauchen. Ford Broncos sind sechs Typen auf der Bühne, sechs schräge Vögel, jeder für sich mit reichlich Erfahrung und Individualität ausgestattet. Und man wird das Gefühl nicht los, dass sie noch nicht das Ende der Countrystange erreicht haben. Ein „Howdy!“ für Jerry Reed, ein „Howdy!“ für die Ford Broncos.