The LK - Gewaltiges Brodeln unter der Pop-Oberfläche

Kiel – Schöne neue (Musik-)Welt. Man kann gar nicht genau herausfiltern, welcher Knopf für welchen Effekt sorgt, und woher und vor allem warum die Klänge entstehen, prächtig aufblühen und allmählich absterben. Aber allein das Ergebnis als Summe der einzelnen Teile zählt – und das ist faszinierend bei The LK. Deren Konzert in der Schaubude beweist, dass die Zahl der Musiker heutzutage ohnehin sehr relativ ist.

Vogelgezwitscher, Hall-Schleifen, ein einziges Rauschen, Gluckern und Knistern purzelt aus den Boxen. Klingt wie der Mitschnitt aus einer Unterwasser-Voliere. Fredrik und Lindefelt stehen sich gegenüber auf der Bühne, seitlich zum Publikum. Der eine trommelt exaltiert auf Snare und Becken herum, der andere entlockt der Gitarre kuriose Gitarrensounds und greift von Zeit zu Zeit zur Trompete. Zwischen sich haben sie einen veritablen Technikpark aufgebaut. Durch den Sampler und die vielfachen Loop-Schichtungen wirkt es stellenweise, als quetsche sich ein mannstarkes Ensemble auf die schmale Bühne. Doch da sind nur Fredrik und Lindefelt.

Die beiden Langzeitfreunde aus Malmö nehmen die Zuschauer mit auf eine Achterbahnfahrt aus verqueren Sounds und opulenten Popsongs. Sie mögen diesen Spagat. Sie mögen es, wenn das Offensichtliche verfremdet und das Glatte aufgeraut wird. So entsteht dieser avantgardistische Elektroindiepop, der stark auf das Improvisationsmoment baut. Die Lieder sind teils großartig, sei es "Max Léon" mit gepfiffenem Refrain, aus der Phase, als sich The LK noch The Lovekevins nannten; oder auch die vollkommene Melodieseligkeit bei "Stop Being Perfect" vom Debütalbum "Vs. The Snow". Der Titel "Private Life Of A Cat (I'd rather go dancing than growing up)" wurde in ihrer schwedischen Heimat sogar schon zum legitimen Nachfolger von "Young Folks" auserkoren, dem Sommerhit 2006 von Peter, Bjorn & John.

Es ist Lindefelts klare, intonationssichere Stimme, die sich meist in den Refrains als ein bezaubernder Schmetterling aus dem Hall-Kokon schält. Die Spanne seines Timbres reicht von Ben Gibbard ("Down By Law") bis zu Morten Harket ("Eurovision") und transportiert so sympathische Textzeilen wie „I wish I was a panda bear, quiet life, perfect hair”. In Kombination mit den Legatolinien der Trompete entsteht eine ambiente Bar-Lounge-Flauschigkeit, doch unter der Pop-Oberfläche brodelt es gewaltig.

Diese Mixtur weiß das Publikum zu schätzen. Zwar tanzt es nicht, aber die Begeisterung und das schlechte Gewissen ob des Nichttanzens werden nach Ausklingen der Songs mit umso frenetischerem Applaus kompensiert. Nach knapp 40 Minuten ist das Programm von The LK bereits beendet, zweimal kehren Fredrik und Lindefelt für Zugaben zurück. Ein Kleinod im Kieler Konzertkalender.

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