The Murphy Situation im Luna

Zum Glück für alle Beteiligten: Eine Verbindung von Bandname und Konzert an diesem Abend im Luna existierte nicht. Bei The Murphy Situation ging also nicht alles schief, was schief gehen konnte - kein Verstärker geschrotet, kein Musiker von der Bühne gestürzt, kein völliger Blackout bei den Songtexten.

Es lief beinahe schon zu rund für das Rocktrio, bestehend aus Benjamin „Bille“ Bohlmann (Gesang, Gitarre), Nicolas „Nic“ Marquardt (Bass) und Christian „Ape Raham“ Bahr (Schlagzeug). Die Warnung, dass der Drummer sich nicht beherrschen könne und einen Höllenlärm veranstalten würde, war durchaus berechtigt. Gleich der knackige Opener „Who’s Murphy“ gab die Richtung für die nächsten anderthalb Stunden an: druckvoller College-Rock, wie ihn Weezer oder Foo Fighters vormachen. Jeder der drei Akteure wusste um seine Aufgabe in den klar abgesteckten Arrangements und die pralle Setliste zeugte von fruchtbaren musikalischen Ideen, die in den letzten drei Jahren ausgesponnen wurden. Mit „She-Devil“ ein erster Höhepunkt: Bille schrie beim Refrain zu markigen Gitarrenriffs – wohl auch, weil der Gesang zu leise abgemischt war -, während Nic am Fretless Bass zu den zahlreichen Breaks und Fill-Ins von Ape Raham das Soundfundament bildete. Ein Song mit Wiedererkennungswert!

The Murphy Situation harmonierten auch in der Folge im Zusammenspiel, was aber wohl Pflicht bei einem Trio ist. Viele laut-leise-Parts wie bei „Fire Pirates“, zweistimmiger Gesang („Eye is for Illusion“) und ein Gitarrensolo bei „Moloko Bar“ – alles irgendwie in dieser Form schon einmal gehört, aber überzeugend dargeboten. Ein Manko stellten die zu knapp geratenen Ansagen sowie die Bühnenperformance dar, auch wenn die Bühne keinen allzu großen Bewegungsradius erlaubte. Den letztlich noch zahlreichen Zuhörern war es egal, denn sie wollten am Ende mehr. So kamen mit „Fortune“ und „Mozart“ zwei Zugaben, die deutlich machten, welche Platten die Jungs von The Murphy Situation in heimischen Schrank stehen haben. Henrik Drüner