The Sons kommen mit ihrem Debütalbum nach Kiel


Kiel - Und jetzt zu etwas völlig anderem: Eine aufstrebende, heiß gehandelte Indierock-Band aus dem britischen Königreich. Doch zu Neuerfindern des Rock wurden The Sons nicht auserkoren. Worüber die Band um Sänger und Gitarrist Paul Herron eigentlich froh sein sollte, denn so bleibt ihnen Zeit, die Resonanz auf ihr Debütalbum "Visiting Hours" in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Es ist ihre erste Headliner-Tour durch Deutschland, voll gepackt mit 18 Terminen in 19 Tagen und dem Abschluss im Kieler Blauen Engel. In München zieht Paul Herron eine positive Zwischenbilanz. „Die Tour verlief bislang sehr interessant. Und ich sage bewusst interessant, denn jeder Abend hatte seinen eigenen Charakter. In manchen Städten spielten wir in großen Läden und haben eine richtige Rock-Show abgeliefert, in anderen mussten wir bei Sitzkonzerten eher in Richtung Akustik-Set gehen, was die Sache wesentlich intimer gemacht hat.“

Ihr Repertoire beruht auf zeitlosem, melodiösem Gitarrenpop und klassischem Songwriting inklusive der üblichen Referenzen an Paul Simon, Kinks oder Beatles. Zackige Wave-Schlenker, wie sie von vielen hype-unterfütterten Krawall-Kombos gepflegt werden, findet man auf "Visiting Hours" selten - The Sons orientieren sich nach eigenen Worten eher an den frühen R.E.M. Dadurch, dass ihnen das Ungestüme fehlt, wirken sie bei einigen Songs beinahe wie mustergültige Schwiegersöhne, die ihre eigene Hochzeit musikalisch beschallen könnten.

Aus dem beschwingt-braven Midtempo-Sound sticht vor allem die Single "Kids With Knives" heraus, mit der Herron, Stewart English (Gitarre), Lee Blades (Bass) und Roger Flapjack (Drums) das Ticket aus der englischen Provinz in den East Midlands lösen wollen. Bisher haben sie das als Tour-Anhang von Ian Brown und Atomic Kitten geschafft. Sänger Herron sieht in ihrer Heimatstadt Derby jedoch nicht unbedingt einen Nachteil: „Wir werden nicht mit anderen Bands aus der gleichen Stadt verglichen. In Derby ist keinerlei Konkurrenz. So sind wir schlicht eine britische Band. Meine Texte drehen sich ohnehin nicht um das Leben inmitten von Kleinstadttristesse, insofern hat unsere Herkunft wenig Einfluss.“ Eigentlich gehört auch Steven Herron, Pauls kleiner Bruder, zur Live-Besetzung. Doch das Pfeiffersche Drüsenfieber fesselt ihn ans Bett.

Die Texte sind voll dunklem Sarkasmus und einer großen Portion Galgenhumor. Angesprochen auf den typisch britischen Einschlag, reagiert Herron mit der besten aller Antworten: „Ich weiß nicht, ist da einer?“

KN-Online