Sounds aus dem Irgendwo

Asmus Tietchens und Xyramaat in der Schaubude

Wer die Space Night-Reihe im nächtlichen Fernsehprogramm kennt, wird sich vorstellen können, wie gedämpft die Wirkung der Musik ohne die dazugehörigen Bilder aus dem All ausfällt. So bedarf es in der Schaubude einiger Fantasie, um den elektronischen Soundcollagen der beiden Hamburger Asmus Tietchens und Xyramaat etwas Leben einzuhauchen. Sphärische Klänge aus dem Irgendwo jagen aus den Boxen, während vor dem geistigen Auge mehrere Asteroidenschwärme vorbeizuziehen scheinen – die Schaubude als Raumgleiter auf seiner Reise durch unendliche Weiten.

Sämtliche klirrenden und grummelnden Flächen kommen aus der Konserve, die Tietchens am Mischpult noch leicht moduliert, ohne allerdings die knapp 20 Zuhörer vollends zu überzeugen. Hin und wieder verzieht es einem sogar das Gesicht, wenn die schrillen Frequenzen eher einem Zahnarztbohrer gleichen und körperliche Schmerzen hervorrufen. Eigentlich schade, wo doch die knisternde Substanz – frei von jeglichen Beats oder metrischen Vorgaben – eine angenehm beruhigende Atmosphäre verbreitet. Auf den Spuren der Urväter deutscher Elektronik wie Klaus Schulze oder Tangerine Dream eröffnet Tietchens ein endloses Feld für Assoziationen und findet sich letztendlich im Zwiespalt zwischen künstlerischem Anspruch und klanglicher Banalität wieder. "Jetzt wollen wir mal einen Shanty hören", entfährt es einem Probanten im Publikum, kurze Pause, "war nur Spaß."

Eine modernere Variante elektronischer Musik bieten Xyramaat, die mit Sounds ihrer neuen CD arbeiten, indem sie diese live miteinander kombinieren. So entstehen am Mischpult bruchstückhafte Songstrukturen, die immer wieder von neuen Einschüben und Scratches durchbrochen werden. Dank der eingestreuten Beatschleifen fällt es dem Zuhörer jedoch leichter als zuvor, einen Zugang oder zumindest einen Halt zu finden. Die Soundbastlerin mit schwarzer Pudelmütze nutzt entfremdete Sprachsequenzen und verhallendes Gelächter, um ein wenig mehr Bodenhaftung zu bewahren. Abruptes Ende. Unschlüssiger Applaus.

Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 24.10.2002